Auf der Suche nach sich selbst
Einmal mehr hat sich Frankfurt mit Luigi Dallapiccolas «Ulisse» zum Saison-Abschluss für eine vergessene Oper der klassischen Moderne engagiert. In Deutschland war das selten gespielte, bekenntnishaft spröde Zwölftonwerk zuletzt 1980 in Oldenburg zu sehen. Bei seiner Uraufführung im Protestjahr 1968 an der Deutschen Oper Berlin wurde die eigenwillige Homer-Deutung, für den Komponisten selbst Zielpunkt und Summe seines Schaffens, als politisch obsolet abgetan.
Gewiss, Dallapiccola macht es uns nicht leicht mit seiner literarischen Umpolung der «Odyssee» und ihrer Überschreibung aus dem Geist Dantes, Freuds und Joyces. Gesellschaftlich relevant – um das Schlagwort der 68er zu übernehmen – sind die Irrfahrten des antiken Helden auf der Suche nach sich selbst aber allemal. Für Dallapiccola ist er der Prototyp des modernen, an sich selbst und dem Sinn des Lebens zweifelnden Menschen. Alle Begegnungen und Abenteuer seiner ruhelosen Lebensreise sind Projektionen seines Unterbewusstseins. Wie Busonis ähnlich spröder, gedankenbefrachteter «Doktor Faust», der ihm wohl als Vorbild diente, zieht Dallapiccola hier nicht nur die Konsequenz seines spirituell gefärbten Existenzialismus, sondern im ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Uwe Schweikert
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