Und es quietschten die Sandalen
Verdis «Aida» ist nicht ganz leicht zu inszenieren: ein sehr lautes Werk, mit vielen Chören und viel Kampfgeschrei, gerade zu Beginn. Regisseurin Jasmina Hadžiahmetović lässt den fulminanten Chor des Badischen Staatstheaters Karlsruhe inszenatorisch völlig kritikfrei sein «Guerra! Guerra! Tremenda, inesorata!» brüllen. Befinden wir uns nicht in Kriegszeiten? Warum wird hier nicht mal der leiseste Zweifel an der Berechtigung dieses pseudo-ägyptischen Kriegsgeschmetters angemeldet? Vielleicht, weil die Musik, das Stück an sich das alles gar nicht anbieten? Möglich.
Dass die Liaison zwischen der äthiopischen Sklavin (und Königstochter) Aida und dem Feldherrn Radamès (der für die ägyptische Königstochter Amneris vorgesehen ist) schon «etwas länger» geht: Das hätte man aber schon andeuten können. In Opern wird immer viel erzählt. «Dies war einst, jenes noch länger einst. Und dies sind die geschichtlichen Voraussetzungen, die man kapieren muss!» Man könnte dies als eine Schwäche vieler berühmter Musiktheaterwerke ausmachen. Und so ist die heimliche Liebe von Aida und Radamés offenbar auch schon etwas älter, bevor im Stück selbst in den Krieg gezogen wird. Man besingt wechselseitig die ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Arno Lücker
Graz gilt als italienischste Stadt Österreichs und lockt mit pittoreskem Barock, einigen Perlen modernster Architektur, südlichem Flair und Lebensart. Seit 1985 zählt die alljährlich stattfindende Styriarte zu den Säulen des reichen Kulturlebens in der steiermärkischen Kapitale; prägende Figur des Festivals war lange der in Graz aufgewachsene Nikolaus Harnoncourt....
Unter den großen Liedkomponisten des 19. Jahrhunderts ist Franz Liszt der unbekannteste und am meisten unterschätzte. 85 Lieder sind von ihm überliefert, vielfach in mehreren stark voneinander abweichenden Versionen – meist schwergängige, herbe, intellektuell, aber auch vokal anspruchsvoll, da weniger vom Gesang als vom Klavier aus erfundene Kompositionen. Als...
Die Frage ist gut: Warum hat Johann Sebastian Bach zeitlebens keine Oper komponiert? Iso Camartin, Philologe und Essayist, von 1985 bis 1997 Professor für rätoromanische Literatur und Kultur an der Universität Zürich und bekennender Opernliebhaber, geht ihr mit einer Unbefangenheit nach, die man ihm als Naivität auslegen könnte – mit der Begründung nämlich, Bach...
