Und es quietschten die Sandalen
Verdis «Aida» ist nicht ganz leicht zu inszenieren: ein sehr lautes Werk, mit vielen Chören und viel Kampfgeschrei, gerade zu Beginn. Regisseurin Jasmina Hadžiahmetović lässt den fulminanten Chor des Badischen Staatstheaters Karlsruhe inszenatorisch völlig kritikfrei sein «Guerra! Guerra! Tremenda, inesorata!» brüllen. Befinden wir uns nicht in Kriegszeiten? Warum wird hier nicht mal der leiseste Zweifel an der Berechtigung dieses pseudo-ägyptischen Kriegsgeschmetters angemeldet? Vielleicht, weil die Musik, das Stück an sich das alles gar nicht anbieten? Möglich.
Dass die Liaison zwischen der äthiopischen Sklavin (und Königstochter) Aida und dem Feldherrn Radamès (der für die ägyptische Königstochter Amneris vorgesehen ist) schon «etwas länger» geht: Das hätte man aber schon andeuten können. In Opern wird immer viel erzählt. «Dies war einst, jenes noch länger einst. Und dies sind die geschichtlichen Voraussetzungen, die man kapieren muss!» Man könnte dies als eine Schwäche vieler berühmter Musiktheaterwerke ausmachen. Und so ist die heimliche Liebe von Aida und Radamés offenbar auch schon etwas älter, bevor im Stück selbst in den Krieg gezogen wird. Man besingt wechselseitig die ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Arno Lücker
Nichts Neues im Süden Englands? Von wegen! Das Garsington Opera Festival wartete in diesem Jahr mit einigen Novitäten auf. Bislang hatte es dort lediglich späte Opern von Händel und Vivaldi gegeben; nun blickte man ein Jahrhundert weiter zurück und präsentierte Anfang Juni Claudio Monteverdis favola in musica «Orfeo» von 1607. Dabei profitierten die Festivalmacher...
Erklingt in diesen Tagen auf einer Opernbühne der «Patria-oppressa!»-Chor aus Giuseppe Verdis «Macbeth», dann «inszeniert» ein Diktator wie Wladimir Putin mit, ganz gleich, was dabei zu sehen ist. Verstärkt wird dieser unangenehme Eindruck noch, wenn, wie zu Sommerbeginn am Theater Freiburg, ein ukrainischer Regisseur das Stück zu deuten versucht. Andriy Zholdak...
Am Hof des greisen Kaisers Altoum und seiner kinderlosen Tochter Turandot werden die archaischen Rituale eines geschlossenen Systems praktiziert. Das wird vor tausend Jahren so gewesen sein wie vor zehntausend. Und in der Zukunft? Die Praktiken, mit denen die Prinzessin all die Bewerber um ihre Gunst mit unlösbaren Rätselfragen abfertigt, sind martialisch. Sie...
