Auf der Suche nach dem Unterbewussten
Herr Currentzis, am Opernhaus von Perm haben Sie das Privileg der völligen künstlerischen Freiheit genossen, sind aber kürzlich nach Sankt Petersburg gezogen, wo Ihnen im Grunde nur ein experimenteller Proberaum zur Verfügung steht – «Dom Radio». Fehlt Ihnen als überaus theatralischem Menschen, der Sie selbst noch in Ihren Konzerten sind, nicht der Duft des Theaters? Oder war der Wechsel Teil eines organischen Prozesses?
Ich hatte noch nicht genügend Zeit, um die Situation eingehend zu analysieren und zu bewerten.
Aber Sie haben recht: Theater- oder Opernprojekte lagen mir immer sehr am Herzen. Und jetzt arbeite ich zum ersten Mal nicht regelmäßig am Theater, sondern dirigiere nur bei den Salzburger Sommerfestspielen. Aber ich habe festgestellt, dass ich mich in dieser neuen Funktion, so merkwürdig es erscheinen mag, sehr gut fühle. Momentan bin ich sehr am Drama interessiert; nicht als Genre, sondern als eine Art Schauspiel, an dem sowohl die Künstler als auch das Publikum beteiligt sind, sprich, wenn man dem Publikum nicht das während der Proben erzielte Ergebnis präsentiert, sondern es in eine Art künstlerischen Akt einbezieht. Bei manchen Chorkonzerten zum Beispiel bewegen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2022
Rubrik: Interview, Seite 60
von Alexej Parin
Anzukündigen ist die verspätete Weltpremiere einer Oper, die vermutlich kein Musikfreund bisher auch nur dem Titel nach kannte: «Der Künder» von Antal Doráti. Er zählte zu den großen Dirigenten des vergangenen Jahrhunderts (und mit über 600 Einzel-Titeln auch zu den auf Schallplatten bestdokumentierten), aber er hat auch als Komponist ein stattliches Œuvre...
Herr Falk, wird man nicht verrückt, wenn man auf der Bühne permanent in existenziellen Nöten steckt? Brauchen Sie manchmal psychologischen Beistand? (lacht) Das ist ja mal eine Frage! Aber im Ernst: Ich glaube, dadurch, dass ich mich immer schon für Grenzerfahrungen interessiere, suchen mich diese Rollen.
Wie nähern Sie sich solchen Rollen? Ganz aktuell Thomas,...
Floris Visser stellt Händels Oratorium «Hercules» gleichsam auf den Kopf und erzählt die Geschichte von ihrem Ende her. Wenn sich zur Ouvertüre der Vorhang hebt, sehen wir, wie Dejanira, die unglückliche Mörderin des antiken Heroen, im stummen Spiel den zu den Gestirnen erhobenen Toten auf dem an die Wand ihres Zimmers kartierten Himmelsfirmament sucht. Plötzlich...
