Herr, du bist mein Hirte

Eine lohnenswerte Weltpremiere: Antal Dorátis einzige Oper «Der Künder»

Opernwelt - Logo

Anzukündigen ist die verspätete Weltpremiere einer Oper, die vermutlich kein Musikfreund bisher auch nur dem Titel nach kannte: «Der Künder» von Antal Doráti. Er zählte zu den großen Dirigenten des vergangenen Jahrhunderts (und mit über 600 Einzel-Titeln auch zu den auf Schallplatten bestdokumentierten), aber er hat auch als Komponist ein stattliches Œuvre hinterlassen. «Der Künder» (1984) ist allerdings seine einzige Oper und basiert auf dem (ebenfalls einzigen) Bühnenwerk des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber, dem Mysterienspiel «Elija» (1956).

Was es damit auf sich hat, ist jetzt auf einer CD-Einspielung bei ORFEO International zu erkunden, die auf Initiative des Dirigenten und promovierten Musikwissenschaftlers Martin Fischer-Dieskau im vergangenen Sommer in Krakau entstand.

Im Gespräch schildert Fischer-Dieskau, wie es zu dieser späten Uraufführung kam. «Doráti war mein erster Chef, als ich mich 1978 ganz regulär auf die freigewordene Position eines «Assistant Conductor» beim Detroit Symphony Orchestra bewarb und gegen viele Mitbewerber durchsetzte. Erst ganz allmählich entwickelte sich dann ein näheres Verhältnis zu ihm, das schließlich beim «Du» landete und später ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2022
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Ekkehard Pluta

Weitere Beiträge
Luftsprünge, leuchtend

Erstaunlich, was eine Stimme so alles kann. Krakeelen kann sie, krächzen, kichern, krähen, kratzen, klopfen, klagen, kreischen. Und sie kann noch mehr: stammeln, stöhnen, seufzen, schwärmen und schreien. Das sei zu viel der geräuschhaften Zumutungen? Nicht, wenn der Komponist Jörg Widmann heißt und die Interpretin Sarah Aristidou. Zehn Minuten lang mäandert sie in...

Da hinten wohnt das Idyll

Giorgio Strehler hatte einen Traum. Er träumte von einem Theater voller Schönheit, Freude, Musik, das nur durch «kleine Spritzer von Bitterkeit» irritiert würde, die aber rasch vergessen seien. Er träumte von einem «menschlicheren» Theater, das an die Welt gebunden ist, als Ganzes, im Guten wie im Bösen, im Bemühen wie im Kämpfen. Welt und Theater sollten, so...

Dystopische Familie

Wenn Sänger oder Sängerinnen in den Musiktheater-Regiestuhl wechseln, muss das nicht bedeuten, dass sie sich am «Regietheater» abarbeiten oder gar «rächen» wollen. Es kann auch produktiv neue, gleichsam aus der praktischen Arbeitsperspektive gewonnene Energien freisetzen. In diesem Sinne scheint es ein Glücksfall, dass die renommierte, durch ihr Salzburger...