Irma Kolassi: The Decca Recitals. Irma Kolassi (Mezzosopran). Decca 482 4637 (4 CDs); AD: 1952-56
Ars Gallica
Selbst unter Gesangskennern scheint Irma Kolassi (1918-2012) ein unbeschriebenes Blatt zu sein. In Jürgen Kestings vierbändigem Standardwerk «Die großen Sänger» jedenfalls wird die französische Mezzosopranistin griechischer Herkunft nicht einmal erwähnt. Mit dieser Unterschätzung räumen die vier CDs ihrer Decca-Aufnahmen aus den Jahren 1952 bis 1955 auf, die der australische Ableger von Universal Music jetzt in seiner historischen «Eloquence»-Serie wiederveröffentlicht hat. Kommunikativ und in seiner emotionalen Zügelung oft geradezu betörend ist der Gesang Kolassis in der Tat.
Mit dem gleichaltrigen Gérard Souzay gehört sie zu den letzten authentischen Vertretern einer vokalen Ars gallica. Ihre für einen Mezzosopran überraschend schlanke, hell timbrierte, technisch gut geführte Stimme eignet sich ideal für die verbale Nuancierungskunst der mélodie. Die wenigen Schubert- und Schumannlieder, wiewohl äußerst textverständlich, klingen dagegen mit ihrer prononciert französischen Akzentuierung der Vokale wie in einer «fremden» Sprache gesungen.
Zentral sind Kolassis Aufnahmen der französischen Liedklassiker Fauré, Debussy und Ravel. Debussys «Trois chansons de Bilitis» und «Le ...
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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Uwe Schweikert
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