Apropos...Cavaradossi
Herr Kaufmann, Cavaradossi ist ein Maler. Malen Sie selbst eigentlich auch?
Nur für meine Kinder, die geben ungefähr fünf Raketen pro Woche bei mir in Auftrag. Aber dass ich es früher nie ernsthaft versucht habe, lag wohl einfach daran, dass meine Schwester das viel besser konnte. Sie hat so gut gemalt, dass sie durchaus etwas daraus hätte machen können. Aber dann hat sie doch Sicherheit einer künstlerischen Freiheit vorgezogen und BWL studiert.
Spielt es für die musikalische Gestaltung der Partie eine Rolle, dass Cavaradossi ein Künstler ist?
Tatsächlich habe ich festgestellt, dass die Partie zu größerer musikalischer Freizügigkeit verlockt als beispielsweise Rodolfo in der «Bohème». Für mich ist Cavaradossi ohnehin eine sehr vielschichtige Figur: Einerseits setzt er sein Leben aufs Spiel, um verfolgten Oppositionellen zu helfen, andererseits hat er sich aber auch mit dem System gut arrangiert und ist ein wohlhabender Auftragskünstler. Im Libretto ist zum Beispiel explizit von «einem seiner Landgüter» die Rede.
In der Oper kann er aber schnell als bloße Verhandlungsmasse zwischen den beiden Kontrahenten Tosca und Scarpia wirken.
Natürlich hat es jeder Tenor erst mal schwer, die ...
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