Apropos... Wettbewerbe
Frau Bartha, haben Sie sich als angehende Sängerin für Gesangswettbewerbe interessiert?
Als ich in Italien studierte, in den frühen 1970er-Jahren, habe ich das ein paarmal ausprobiert. In zwei Fällen lief es sehr gut, in anderen schlecht. Ich habe dann schnell wieder damit aufgehört. Dieses Schaulaufen war nichts für mich.
Trotzdem: Waren diese Erfahrungen nützlich oder eher schädlich?
Wenn man unerwartet gewinnt, ist das natürlich ein tolles Gefühl. Aber damit hatte es sich dann auch.
Es gab damals hinterher keinerlei Feedback, Kritik, Tipps. Als ich die ersten Engagements bekam, spielte es keine Rolle, ob ich einen Preis gewonnen hatte oder nicht.
Wird die Bedeutung von Wettbewerben überschätzt?
Auf das Wie kommt es an. Wenn, um nur ein Beispiel zu nennen, in den Jurys immer dieselben Leute sitzen, ist das kein gutes Zeichen. Auch nicht, dass sich oft, wenn ein oder zwei «starke» Mitglieder ihre Meinung äußern, die anderen dem einfach anschließen. Es wird zu wenig offen diskutiert.
Bei der letzten Queen Sonja International Music Competition in Oslo wurden die Preise drei Baritonen zugesprochen, die Frauenstimmen gingen leer aus. Das hat einige Irritationen ausgelöst.
Zu den ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Albrecht Thiemann
Wie alle freischaffenden Musiker bin auch ich durch den Corona-Ausnahmezustand heftig mit meinem Beruf als Sängerin zeitgenössischer Musik konfrontiert worden. Bisher habe ich ihn immer als Berufung empfunden. Ungeliebte Lücken im Kalender gab es ja schon öfter, aber ein Berufsverbot auf unbestimmte Zeit war nie einkalkuliert.
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