Nostalgie hilft nicht weiter
Seit es ihn gibt, ist der Wagner-Gesang in der Krise. Warum, versuchte im April 2017 ein mit Wissenschaftlern und Praktikern besetztes Symposium in Wien ästhetisch, historisch, soziologisch und stimmtechnisch einzukreisen – nun sind die Vorträge und Gespräche als Buch erschienen. Wagners Verschmelzung von Wort- und Tonsprache – er selbst spricht in «Oper und Drama» von der «Worttonmelodie der menschlichen Stimme» – forderte das Ideal eines neuartigen Sing-Schauspielers, der sich nicht selbst inszeniert, sondern «gänzlich in den darzustellenden Charakter» versetzt.
Von diesem Grundkonflikt zwischen utopischer Grenzüberschreitung und ihrer Realisierbarkeit, einer dem Sänger übertragenen «Freilegung des Gemeinten bei der Verwirklichung des Geschriebenen», nämlich «der Verschmelzung von Komponist und Sänger auf der Bühne», handelt Laurenz Lüttekens glänzender Essay. Um diesem «Komponieren im Irrealis» (Stephan Mösch) gerecht zu werden, bedarf es allerdings keiner «sakralen Mediation», wie Susanne Vill in einem teilweise wirren Text behauptet, sondern – Mösch demonstriert es am Beispiel von Wolfgang Windgassens Tristan – der Symbiose von Technik, sängerischem Intellekt und theatraler ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Uwe Schweikert
«Beethoven è incazzato», ruft Riccardo Muti ins Orchester, als er am letzten Probentag den Auftakt zum Finale der «Eroica» gibt. Das Orchestra Giovanile Luigi Cherubini versteht den Maestro und dieses Adjektiv, das in seiner eigenen Giovinezza wohl nicht ganz jugendfrei war, mit «stinksauer» noch milde übersetzt ist, diesem Klangkörper aus den besten...
Marina Abramović
Seit zehn Jahren beschäftigt sie sich mit Leben und Wirken der ultimativen Primadonna assoluta. Nun realisiert die serbische Performance-Künstlerin in München ihr Opernprojekt «7 Deaths of Maria Callas». Mit Arien, die Callas unsterblich machten, sowie der Musik eines Landsmanns: des Komponisten Marko Nikodijević. Wir sind dabei
Rebecca Ringst
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Gleich drei Ausstellungen hat Alexander Kluge in den vergangenen Monaten der Oper gewidmet: an seinem Geburtsort Halberstadt, in Ulm, wo er an der Hochschule für Gestaltung gemeinsam mit Edgar Reitz die Abteilung für Filmgestaltung leitete, und in Stuttgart, wo er bis in die Gegenwart hinein die Entstehung von Inszenierungen verfolgt. Die 400-jährige Geschichte der...
