Apropos... Stilles Wirken
Herr Farnes, es ist ja recht still um Sie. Ihr Agent meinte, Sie gäben nicht gern Interviews.
Ach, wenn jemand mit mir sprechen möchte, helfe ich gern aus. Aber es stimmt, Selbstvermarktung ist mir unangenehm. Vielleicht bin ich auch einfach nicht ehrgeizig genug.
Wenn Ihnen Ruhm so wenig bedeutet: Wonach suchen Sie stattdessen?
Nach Zufriedenheit.
Wovon hängt die ab?
Davon, ob mir die tägliche Arbeit Freude macht. Vom Ensemblegefüge, den Beziehungen zu den Kollegen.
Wenn ich nach vollbrachter Arbeit weiß, dass wir gemeinsam das Beste aus uns herausgeholt haben: Dann bin ich zufrieden.
Haben Sie deshalb während Ihrer Zeit als Generalmusikdirektor in Leeds praktisch nicht gastiert?
Mir fehlte in Leeds ja nichts. Im Gegensatz zu vielen Opernorchestern hat das der Opera North einen symphonischen Kalender. Es gibt eine überaus engagierte Education-Abteilung. Das Haus leistet sehr viel, gemessen am Budget. Da müssen alle hart anpacken, der Job wird zur Lebensaufgabe. Ich habe mich überall reingekniet: in die Programmgestaltung, das Casting, das Alltagsgeschäft, das ganze Klein-Klein. Was nützt ein GMD, der sich wie ein Gast verhält?
Ihre Amtszeit endete 2016 mit einem hochgelobten ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Wiebke Roloff Halsey
Nebel lastet auf Cornwall, tiefe Trübsal, auswegloser Schmerz. Schwer atmet die Musik, beinahe so, als wäre sie zu Eis erstarrt, als gäbe es kein Morgen mehr. Doch kein Orchester spiegelt, in den uns bekannten, chromatischen Seufzern, diese Tristesse, sondern ein Klavier. Und deswegen ist es eben auch nicht jener irische Küstenort, an dem, tödlich verwundet,...
«Mein Mund soll meines Herzens Bosheit sagen, / Sonst wird mein Herz, verschweig’ ich sie, zerspringen: / Und ehe das geschehe, will ich frei / Und über alles Maß die Zunge brauchen ...» So sagt es Katharina in Shakespeares «Der Widerspenstigen Zähmung»; man hätte sich auch Richard Strauss’ Ehegespons Pauline de Ahna in dieser Rolle vorstellen können. Ob das Stück...
Gebratzte Posaunentöne fallen über die Trompeten her. Straucheln, weichen zurück, formieren sich neu. Ein Tenor ruft zum Gegenangriff: Stählerne Fanfaren schießen aus neun Trichtern, am Himmel kreisen Elektroklänge, zwischen den Fronten die Hörer. Vor, hinter und neben ihnen rennen und stolpern behelmte Instrumentalisten vorüber, Stühle erzittern unter...
