Apropos... Senkrechtstarter

Der kanadische DirigentYannick Nézet-Séguin (38) gehört zu den erfolg-reichsten Nachrückern im internationalen Musikbetrieb – rund 60 Orchester hat er bereits dirigiert. Bei der Deutschen Grammophon spielt Nézet-Séguin einen neuen Mozart-Zyklus ein. Gerade erschienen: «Così fan tutte».

Herr Nézet-Séguin, Sie sind wahrscheinlich der erste Dirigent seit «Lenny» Bernstein, den das Publikum beim Vornamen nennt. Wie erklären Sie sich dieses Liebesverhältnis?
Damit, dass mein Nachname für das amerikanische Publikum zu schwer auszusprechen ist. Alle nennen mich Yannick. Ich bin aber nicht der Einzige. Auch «Gustavo» Dudamel in Los Angeles steht für einen Image-Wandel. Hat man nicht Karajan in Berlin auch «Herby» genannt?

Er wird es gehasst haben.

Mit Karajan verbindet Sie – neben dem Senkrechtstart –, dass Sie nicht sehr groß sind. Ein Vorteil?
Ich bin guter Durchschnitt. Auf Antonio Pappano musste ich sogar herabschauen. Also kniete ich vor ihm! Meine erste Lektion als Chor-Dirigent in Montréal, als ich 14 Jahre alt war, bestand in der Einsicht: Du musst größere Bewegungen machen. Man muss sich optisch durchsetzen.

Gemeinsamer Star Ihres Mozart-Zyklus ist Rolando Villazón – auch bei der neuen «Così fan tutte». Wonach suchen Sie Sänger aus?
Ich habe darauf geachtet, keine «Met-Sänger» zu nehmen! Sondern lyrische Stimmen. Für lange Phrasen! Nur so kommt Leidenschaft rüber. Ich finde oftmals zu viel Brahms in Mozart. Und zu viel Verdi in Monteverdi. Man darf sich nicht zu ...

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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Magazin, Seite 103
von Kai Luehrs-Kaiser

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