Teurer Impro-Charme

Für den Hügel gesperrt, unten erlaubt: Wagners «Rienzi», «Liebesverbot» und «Feen» in der Bayreuther Oberfrankenhalle

Es gibt ein paar Dinge, die machen diese Aktion richtig hügelheimelig. Das Bratwurstdoppel in der Semmel. Das örtliche Weißbier. Die Temperaturen, die sich in der Oberfrankenhalle der Dreißigermarke nähern. Kurz vor der Prestigeanstrengung mit dem neuen «Ring» stemmen die Bayreuther in Kooperation mit der Oper Leipzig ein Vor-Festspiel. Dort, wo sonst Handballer, Hansi Hinterseer und die Toten Hosen aktiv sind. Als Extra-Präsent zum 200. und als Ehrenrettung für die drei verstoßenen Opernkinder Richard Wagners.

Einen schriftlichen Ukas des Meisters, der den Frühwerken den Zugang zum Festspielhaus verwehrt, gibt es nicht. «Die Feen» und «Das Liebesverbot» waren ohnehin nie richtig in der Kanon-Debatte. Bei «Rienzi» ist das anders: Wäre Wieland Wagner nicht 1966 verstorben, der römische Tribun hätte auch den Hügel genommen. Mit Wolfgang Sawallisch hatte der Komponisten-Enkel schon eine eigene Bayreuther Strichfassung erstellt, die Partitur befindet sich in Sawallischs Nachlass.

Christian Thielemann führt in der ersten Premiere vor, dass sich «Rienzi» auch in schwieriger Akustik behauptet. Der Klang in der Oberfrankenhalle ist dumpf, es wummert und dröhnt. Doch Thielemann dämpft, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 11
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Zurück auf Start

 Unter einer gleißenden Sonntagmorgen-Sonne strömt die internationale Gemeinde der Rossiniani erwartungsfroh der Trinkhalle im Schwarzwälder Kurort Bad Wildbad zu. Als die letzten Akkorde der «Tell»-Apotheose in mächtigem Crescendo verrauscht sind, scheint der Vollmond über dem Enz-Tal. Dass man da elf Stunden mit Rossinis opus ultimum verbracht hatte, war nicht...

Götter und Kekse

Götter mögen keine Kekse. Deshalb bringen die Menschen in den Longshan-Tempel Äpfel mit, auch Bananen, Papaya und Blumen. Viele der Götter, die hier versammelt sind, scheinen gemischte Teller zu bevorzugen: Je bunter die Opfergaben, desto bereitwilliger werden Gebete erhört. Kekse gibt es trotzdem – zur Stärkung der Gläubigen und zur Stärkung der Tempelkasse. Wer...

Schätze aus Verdis Werkstatt

Die handschriftliche Originalpartitur von Verdis «Otello» und eine Druckplatte vom Erstdruck der Partitur seines «Falstaff»: zwei Prunkstücke, die in Berlin noch bis zum
15. September zu bewundern sind (www.enterpriseopera.com). Nachdem Bertelsmann BMG im Jahr 2007 den dreizehn Jahre zuvor erworbenen Verlag Ricordi aus kartellrechtlichen Gründen weiterverkaufen...