Teurer Impro-Charme
Es gibt ein paar Dinge, die machen diese Aktion richtig hügelheimelig. Das Bratwurstdoppel in der Semmel. Das örtliche Weißbier. Die Temperaturen, die sich in der Oberfrankenhalle der Dreißigermarke nähern. Kurz vor der Prestigeanstrengung mit dem neuen «Ring» stemmen die Bayreuther in Kooperation mit der Oper Leipzig ein Vor-Festspiel. Dort, wo sonst Handballer, Hansi Hinterseer und die Toten Hosen aktiv sind. Als Extra-Präsent zum 200. und als Ehrenrettung für die drei verstoßenen Opernkinder Richard Wagners.
Einen schriftlichen Ukas des Meisters, der den Frühwerken den Zugang zum Festspielhaus verwehrt, gibt es nicht. «Die Feen» und «Das Liebesverbot» waren ohnehin nie richtig in der Kanon-Debatte. Bei «Rienzi» ist das anders: Wäre Wieland Wagner nicht 1966 verstorben, der römische Tribun hätte auch den Hügel genommen. Mit Wolfgang Sawallisch hatte der Komponisten-Enkel schon eine eigene Bayreuther Strichfassung erstellt, die Partitur befindet sich in Sawallischs Nachlass.
Christian Thielemann führt in der ersten Premiere vor, dass sich «Rienzi» auch in schwieriger Akustik behauptet. Der Klang in der Oberfrankenhalle ist dumpf, es wummert und dröhnt. Doch Thielemann dämpft, ...
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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 11
von Markus Thiel
Der Fortbestand des Opernensembles der Wuppertaler Bühnen ist gefährdet. Der designierte Opernchef und Generalmusikdirektor Toshiyuki Kamioka, der das Sinfonieorchester Wuppertal bereits von 2004 bis 2009 als Chefdirigent leitete, will in Zukunft laut Medienberichten auf ein festes Sänger-Ensemble verzichten. Erst vor vier Jahren war das Opernhaus im Stadtteil...
Wagner im Amphitheater? In den Siebziger- und Achtzigerjahren war das ein fester Pfeiler des «Chorégies»-Festivals. Karl Böhm hat unter dem provenzalischen Sternenhimmel den «Tristan» dirigiert, Birgit Nilsson Isolde und Brünnhilde gesungen, Sawallisch einen «Parsifal» mit René Kollo gestemmt. Doch nach einem «Ring» mit Marek Janowski 1988 setzte man in Orange...
Unter einer gleißenden Sonntagmorgen-Sonne strömt die internationale Gemeinde der Rossiniani erwartungsfroh der Trinkhalle im Schwarzwälder Kurort Bad Wildbad zu. Als die letzten Akkorde der «Tell»-Apotheose in mächtigem Crescendo verrauscht sind, scheint der Vollmond über dem Enz-Tal. Dass man da elf Stunden mit Rossinis opus ultimum verbracht hatte, war nicht...
