Apropos... Lehrjahre

Der Großvater spielte Akkordeon und sang dazu. Er machte sie mit ukrainischen Volksliedern vertraut. Dass NATALYA ROMANIW während der letzten beiden Jahre vor allem als Tatjana, Lisa und Jenůfa engagiert wurde, ist daher ganz logisch. Den samtig-satten Klang ihres Soprans musste die 31-jährige Waliserin sich allerdings hart erkämpfen

Frau Romaniw, Sie sind nach dem Konservatorium nach Houston ins Opernstudio gegangen – eine schwierige Zeit für Sie.
Diese Nachwuchsprogramme nehmen einen hart ran. Das muss wohl auch so sein. Die Gelegenheit, mit erfahrenen Kollegen den Theateralltag zu teilen und auf der Bühne zu stehen, fand ich unbezahlbar. Doch stimmlich fing ich gefühlt wieder bei Null an.

Wieso bei Null?
Der Umzug brachte natürlich einen Lehrerwechsel mit sich. Und die Unterrichtsmethoden in Großbritannien unterscheiden sich gewaltig von denen in den USA.

Während in London die Ausbildung auf ein, sagen wir mal, ganzheitliches Künstlertum zielt – auf Auseinandersetzung mit dem Text, der dramatischen Intention – geht es in Amerika um Technik, Technik, Technik. Für mich war dieser absolute Fokus auf die Klangproduktion ungewohnt, legte Unsicherheiten offen. Umso wichtiger war der Prozess natürlich. Singen ist wie Autofahren: Am Ende muss man die Schaltung beherrschen, und zwar ohne nachzudenken. Aber auf dem Weg dahin verlor ich mitunter völlig das Gefühl dafür, was ich da überhaupt sang!

Das klingt nach einer handfesten Sinnkrise.
Es kam so weit, dass mich jemand ziemlich weit oben in der Hierarchie beiseite ...

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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Wiebke Roloff

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