Apotheose des Künstlertums
In Oldenburg hat man schon immer ein besonderes Gespür für die musikalische Moderne bewiesen. Legendär ist die Aufführung des Berg’schen «Wozzeck» in der Spielzeit 1928/29, die dem vielfach angefeindeten Werk den Weg in die sogenannte Provinz eröffnete. Schon einige Jahre vorher hatte das Oldenburger Landestheater, wie es damals hieß, eine gute Nase für Zeitgemäßes: Ende November 1926, drei Wochen nach der Dresdner Uraufführung, brachte es als dritte Bühne überhaupt Hindemiths «Cardillac» heraus.
Dieses Werk stand – in der Urfassung, die sich inzwischen gegenüber der Neubearbeitung von 1952 durchgesetzt hat – jetzt wieder zur Diskussion, diesmal auf der breiträumigen, eigens für eine Umbauspielzeit des Großen Hauses errichteten Bühne in einer ehemaligen Flugzeughalle des Fliegerhorsts, und bewies dort seine ungebrochene Repertoirefähigkeit.
Wie jeder Interpret, der sich dieser Oper nähert, stand Regisseur Sebastian Ukena vor dem Problem, dass der hoch romantische Stoff um den aus Liebe zu seinen Werken zum Mörder werdenden Pariser Goldschmied Cardillac und die von «nüchterner Sachlichkeit» (so schrieb die zeitgenössische Kritik) bestimmte, an barocke Vorbilder absoluter Musik ...
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