Erkenntnis und Versuchung

Baden-Baden: Mozart: Così fan tutte

Auch größte Mozart-Liebhaber – sind wir das nicht irgendwo alle? – haben an dieser Geschichte gezweifelt. Dass zwei Freunde ihre beiden Verlobten verlassen, um ihre Treue zu prüfen, weil sie darauf eine Wette eingegangen sind, mag man ja noch glauben. Dass sie verkleidet zurückkehren und den beiden Schwestern den Hof machen – und zwar der jeweils anderen – mit etwas gutem Willen auch.

Dass die beiden Frauen auf den Mummenschanz hereinfallen und die Männer über zwei Akte über nicht erkennen – nun wirklich nicht… Vor allem die Musik macht in «Così fan tutte» deutlich: Hier wird etwas ganz grundlegend verhandelt, nämlich der Beziehungskanon der beiden Geschlechter.

Schon lange hat man das nicht mehr so gründlich, überzeugend und überdies so ästhetisch ansprechend erlebt wie in Philipp Himmelmanns Neuinszenierung im Festspielhaus Baden-Baden. Und – so musikalisch. Wenn es einen Regiepreis gäbe für das sorgfältigste Zusammenspiel von Musik, Text, Szene und Bild – Himmelmanns «Così» wäre ein heißer Aspirant. Schon der Titel der rätselhaftesten der drei Mozart-Da-Ponte-Opern animiert zum Spiel: Aus der reichlich defätistischen These des Don Alfonso, des Verursachers der Wette, «So machen’s ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2011
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Alexander Dick

Vergriffen
Weitere Beiträge
Verzeichnet

Die Geschichte der hässlichen Sumpfnymphe «Platée», der man eingeredet hat, Obergott Jupiter sei ihr verfallen, und die das auch glaubt, bis sie, schon im Brautkleid, grausam enttäuscht und von allen verspottet wird – diese recht herzlose Geschichte kam 1745 in Versailles anlässlich der Hochzeit des französischen Thronfolgers mit der spanischen Infantin Maria...

Ohne Ende

Mit großem Interesse habe ich im Programmheft zu dieser «Antigona» gelesen, dass nicht Gluck, sondern Tommaso Traetta der eigentliche Reformator der italienischen Barockoper war, und dass ohne seine Pionierleistung Mozart nie einen «Idomeneo» hätte schreiben können. Die Bekanntschaft mit dem Werk selbst hat mich dann allerdings etwas ratlos zurückgelassen, denn je...

Visconti lässt grüßen

Mit ihren knapp zwei Stunden Musik scheint sich die Oper «Senso» eher am Format eines Liebesfilms zu orientieren als an dem einer festlichen Grand Opera, wie man sie anlässlich der Feierlichkeiten zum 150-jährigen Jubiläum der italienischen Einheit erwarten würde. Episch ist sie also nicht, zumal die Handlung auf Camillo Boitos 1883 veröffentlichtem gleichnamigen...