Komisch mit Contenance
Auf seinen Humor können sich alle einigen. Auf seine Pointen ist Verlass. Damals, als er die reizenden Wesen mit den Knollennasen in die Welt setzte, wie heute, da er sich,
87-jährig, längst zurückgezogen hat und als Legende seiner selbst vermarktet wird. Ein vornehmer Spaßmacher und sanfter Spötter. Ein weltweiser Beobachter des absurden Alltags, immer freundlich, immer kultiviert. Kaum zu glauben, dass dieser Meister gepflegter Heiterkeit aus dem vermeintlich bierernsten Preußen, aus Brandenburg an der Havel, stammt.
Sein Witz tritt niemandem auf die Füße, selbst wenn er die Schwächen, Macken und Unzulänglichkeiten eben jenes deutschen Michels aufspießt, der ihn als Inbegriff des Komischen verehrt. Denn seine Kunst – ob als Karikaturist, TV-Entertainer, Schauspieler oder Moderator –, besteht darin, dem biederen Durchschnittsbürger den Spiegel vorzuhalten, ohne ihn vorzuführen.
Im Rentner Erwin Lindemann, der dem Fernsehen erzählt, was er mit seinem Lottogewinn anstellen will, und sich dabei vor Aufregung heillos verhaspelt («... und im Herbst eröffnet dann der Papst mit meiner Tochter eine Herren-Boutique in Wuppertal...») erkannte sich die schweigende Mehrheit. Über die ...
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Dieser Carlo singt wahrhaft königlich. Sicher und strömend in allen Lagen, mit reizvoll verschattetem Tenor: Nikolay Dorozhkin nimmt als Dauphin, als noch ungekrönter König von Frankreich, das Publikum vom ersten Takt an für sich ein – zumindest vokal. Seine Darstellung ist weniger aufregend. Historisch war Karl VII. ein Zauderer, der tatenlos zugesehen hat, wie...
Vor bald 20 Jahren verwandelte Jean Nouvel die Lyoner Oper in einen hypermodernen Kult(ur)ort. Parkett, Balkon oder Rang erreicht man mittels Rolltreppen, die konsequent eingesetzte (damalige) Modefarbe Schwarz lässt eine existenzialistische Atmosphäre entstehen. Als Kontrast wölbt sich über allem eine riesige Glaskuppel. Vor dem Opernhaus trifft sich Lyons...
Ein paar Tage vor dem Probenbeginn in München war sie spazieren. Unweit von Zürich, in der Nähe ihres Hauses, wo sie noch einmal den Kopf freibekommen wollte für die nächsten Wochen. Da durchfuhr sie ein merkwürdiges, ein überraschendes Gefühl: «Was ist denn das?», habe sie sich gedacht. «Auf einmal freue ich mich richtig auf die ‹Traviata›.» Und irgendwie, so...
