Anleitung zum Selbstsein
Ein junger Mann imaginiert sich die Welt – seine Welt; mit der kalten Realität da draußen hat sie nur wenig gemein. Dafür schilt ihn seine Mutter einen Lügner. Dabei hat doch gerade sie ihm als Kind all jene Märchen erzählt, die seine Fantasie so sehr beflügelt haben. Ja, ein Kind ist dieser Mann geblieben, als viril attraktives «Big Baby» stapft er noch immer durch sein Kinderzimmer, das ihm zunächst vollends ausreicht, um sich die Räume seiner Träume von wundersamen Trollen oder der verführerischen Anitra zu bauen.
Als Verbindung nach draußen reicht ihm eine kleine Luke am Boden seiner Zimmertür, durch die ihm Mutter Åse Essen und Trinken schiebt.
Das Epos von der wild bewegten Odyssee des Peer Gynt beschreibt Angélique Clairand in ihrer hochpoetischen Inszenierung somit als eine innere Reise der Titelfigur zu sich selbst. Anouk Dell’Aiera hat ihr dazu in eine nur mit weißen Tüchern abgehängte Riesenbox Peers gebaut, als ein für uns transparentes Traumreich. Die in schlichtes Schwarzweiß getauchten Kostüme von Bruno de Lavenère bedienen darin weder norwegische Folklore noch Exotik: Das Regieteam bedarf keiner üppigen Bebilderung, es vertraut vielmehr der Einbildungskraft seines ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Peter Krause
Erklingt in diesen Tagen auf einer Opernbühne der «Patria-oppressa!»-Chor aus Giuseppe Verdis «Macbeth», dann «inszeniert» ein Diktator wie Wladimir Putin mit, ganz gleich, was dabei zu sehen ist. Verstärkt wird dieser unangenehme Eindruck noch, wenn, wie zu Sommerbeginn am Theater Freiburg, ein ukrainischer Regisseur das Stück zu deuten versucht. Andriy Zholdak...
Der Ort ist überwältigend, die reine Natur: unberührt-malerische Landschaft. Das Gebäude hingegen wirkt wie ein Fremdkörper in diesem Idyll, geradezu abstoßend hässlich. Ein schwarzer, mit Bauxit überzogener Betonklotz, Sprayer haben ihre Graffiti-Spuren darauf hinterlassen, und wenn man sich ihm mit tastenden Schritten über die Hügel von Bouches-du-Rhône nähert,...
Herr Goebbels, wie geht es Ihnen bei der Begegnung mit der eigenen Stimme?
Bei all den Stimmen, mit denen ich arbeite, habe ich meine Stimme nie eingesetzt.
Und wenn Sie sie zufällig in Radiointerviews hören?
Ist sie mir fremd. Sie bleibt mir fremd. Wir wissen, warum das so ist, weil die Resonanz des eigenen Körpers fehlt und so weiter.
Stimmen aber faszinieren...
