Unheilige Allianz
Die ersten Takte gehören ihm, dem Sadisten, dem Schlächter, dem Sexmonster: Scarpia ist die treibende Kraft dieses Thrillers. Die Liebenden, Tosca und Cavaradossi, Künstler sie beide, sind nichts als Opfer dieses perversen männlichen Willens. Der bleibt selbst postmortal noch omnipräsent – durch Scarpias Handlanger und durch die Macht der Musik, qua der Puccini der Personifikation des Bösen das letzte Wort gönnt: Der Tritonus als Diabolus in musica zermalmt die schönsten Hoffnungen an die Liebe, die Kunst, die Schönheit.
Silvia Paoli verschiebt in ihrer Inszenierung am kleinsten Opernhaus Frankreichs, das unter seinem Intendanten Matthieu Dussouillez überregional und sogar international zusehends auf sich aufmerksam macht, die Perspektive so dezidiert auf Scarpia, den Schrecklichen, dass man das Stück fast schon umtaufen möchte. Daniel Miroslaw, der als Ensemblemitglied in Hannover mit Verdis Jago die andere grandiose Negativfigur der italienischen Oper verkörpert, darf nun auch in Nancy seine sängerdarstellerischen Qualitäten ausspielen. Der markant deklamierende Bassbariton interpretiert dieses Monster von Mann als einen Psychopathen des Sexus: Sein Scarpia macht sich im ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Peter Krause
Jossi Wieler lächelte, milde, fast so, als habe er sogar ein wenig Verständnis für diese Wutbürger vorwiegend in den oberen Rängen, die sich bei der Applausordnung nach der Premiere ereiferten, um ihr geharnischtes Unverständnis über das gerade Gesehene herauszubrüllen. Grund genug für diese clemenza hatte Wieler jedenfalls, in dessen Regieboot diesmal neben seinem...
Es ist das Licht. Anders ist es. Heller. Eindringlicher. Freundlicher. Und: strahlender. Wer nur einmal im hohen Norden Europas, sei es in Finnland, Schweden oder Norwegen (wenn nicht gar auf Island, diesem archaischen Zauberreich von Shakespeares Gnaden), eine Mittsommernacht erlebt hat, der weiß, was damit gemeint ist. Dieses Licht leuchtet durch das Dunkel...
Aile Asszonyi fiel als dramatischer Sopran in den letzten Monaten unter anderem durch zwei herausragende Auftritte am Saarländischen Staatstheater auf. Als Turandot (OW 04/2022) schleuderte sie ihre tödlichen Flüche nur so heraus, ohne dabei die Bereiche des Schönklangs verlassen zu müssen. Noch im Fortissimo, mit dem sie sich mühelos über diverse Orchestertutti...
