And the Band Played On
Die Corona-Pandemie hält die Welt im Würgegriff. Die ganze Welt? Mitnichten. Reiche Länder impfen sich in eine «Neue Normalität», öffnen ihre Theater. Und schließen bald wieder, es ist ja Sommerpause. Wer könnte schon erwarten, dass man aus der schlimmstmöglichen Marginalisierung von Bühnenkunst in Friedenszeiten etwas gelernt hätte? Die ausstolpernde Notsaison 2020/21 ist weithin geprägt von mangelnder Flexibilität, Ideenlosigkeit und Beharren in Produktionsabläufen.
Tief sitzt die Kränkung: Die Oper mag systembedingt das personal- und kostenintensivste Flaggschiff des Bühnenwesens sein – systemrelevant ist sie offenbar nicht. Sich trotz Lockdowns bemerkbar zu machen, wurde zur Aufgabe der Saison. Und sei es mit Wunschkonzerten am Telefon, im Internet, wann immer möglich unter freiem Himmel – oder mit ganz anderen mutigen Initiativen zur Öffentlichkeitsarbeit.
Nur wenige Theater haben sich diesen Herausforderungen erfolgreich gestellt. Leitungspersönlichkeiten gaben den Weg vor, nicht immer den richtigen: Wo im Frühjahr 2020 noch bis zur letztmöglichen Minute geprobt wurde, über Ängste von Mitarbeitenden hinweg, ist lange über das Abgeben beleidigter Statements hinaus wenig ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 92
von Claus Ambrosius («Rhein-Zeitung», Koblenz)
Ach, wie war es doch vordem / mit den Listen so bequem... Aber nichts ist mehr so, wie es einmal war, also auch nicht die übliche standardisierte Saison-Benotung aus Sichten, Einordnen, Nominieren, Zusammenzählen, Küren von Siegerinnen und Siegern.
Andererseits war ja auch nicht «nichts» in diesen verseuchten Monaten! Im Gegenteil: Man streamte und war plötzlich...
Wien, im Jahre 1936. An seinem 50. Geburtstag erhält Sektionschef Leonidas einen Brief. Geschrieben hat ihn Vera Wormser, seine ehemalige Geliebte, die ihn darin um Hilfe bittet. Vera ist Jüdin, ihr Sohn in Gefahr, Leonidas einflussreich genug, damit Schlimmeres verhindert werden kann. Franz Werfels 1941 publizierte Erzählung «Eine blassblaue Frauenschrift» ist...
Eine Opernsaison, die mit «7 Deaths of Maria Callas» beginnt , aber schon nach einem Monat endet, kurz nachdem man Mussorgskys «Boris» in Zürich erlebt hat: Chor und Orchester ins Opernhaus übertragen, die Solisten live auf der Bühne, was in der Regie von Barrie Kosky, bei dem alles in einer Bibliothek mit wandelnden Bücherregalen spielt, kühn gelingt. Wenig später...
