Tu felix Austria
Ach, wie war es doch vordem / mit den Listen so bequem... Aber nichts ist mehr so, wie es einmal war, also auch nicht die übliche standardisierte Saison-Benotung aus Sichten, Einordnen, Nominieren, Zusammenzählen, Küren von Siegerinnen und Siegern.
Andererseits war ja auch nicht «nichts» in diesen verseuchten Monaten! Im Gegenteil: Man streamte und war plötzlich auch dort Zuschauer, wo man realiter nie dabei gewesen wäre. Die (Opern-)Welt tat sich auf, ob abgefilmt oder neu formatiert, konservativ oder kreativ.
Das soll man pauschal loben – und gleich auf die Gefahr hinweisen: alles nur Surrogat. Eine Live-Aufführung kann durch nichts ersetzt werden. Natürlich gab es auch davon, bei allen Einschränkungen, nicht geringe Dosen; Österreich mag, bis Anfang November 2020 und dann wieder ab Mitte Mai 2021, besser dran gewesen sein als andere Länder.
Also doch eine «Liste»: Obenan die Salzburger Festspiele in ihrem 100. Jahr: ein Jubiläum in konzentrierter Würde gewissermaßen. Dank Präventions- und Sicherheitskonzept wurde hier Großartiges auch für eine neue Kultur und Qualität des (Zu-)Hörens ermöglicht. Man hat kaum je ein aufmerksameres Publikum erlebt.
Gleich zwei auf ihre Art ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 105
von Karl Harb («Salzburger Nachrichten», Salzburg)
In Mozarts Musik gibt es Momente einer unwirklich überwirklichen Hoffnung. Ebenso unwirklich und überwirklich wie die Situation, in der ich sie im vergangenen Jahr, nach viermonatiger Schließung der Konzertsäle und Opernhäuser, erstmals wieder hörte, in «Così fan tutte» bei den Salzburger Festspielen. Man hatte etwas riskiert, in einer unüberschaubaren Lage – die...
Die Bühne war ihm schon als Kind Sehnsuchtsort. Dort wollte er hin und den lieben langen Tag im Grunde nur eines tun: spielen, spielen, spielen. So war es fast zwangsläufig, dass Jürgen Flimm, geboren in Gießen, aufgewachsen in Köln, früh begabt auch als Autor, zum Theater kam, wo er sich als Regisseur, zunächst im Schauspiel, einen großen Namen machte, vor allem...
Es ist eine der ältesten Opernfragen: «prima la parole?» Oder doch «prima la musica?» Die musikhistorische Wertung scheint da eine einfache Antwort zu kennen: Der Text einer Oper ist immer getreuer Diener von Frau Musica. Doch schon die inhaltlichen Handlungsvorgaben eines Musiktheaters rühren eben nicht so einfach aus dem Klingenden selbst, es bedarf hier schon...
