Berühmte Briefe in der Oper
Wien, im Jahre 1936. An seinem 50. Geburtstag erhält Sektionschef Leonidas einen Brief. Geschrieben hat ihn Vera Wormser, seine ehemalige Geliebte, die ihn darin um Hilfe bittet. Vera ist Jüdin, ihr Sohn in Gefahr, Leonidas einflussreich genug, damit Schlimmeres verhindert werden kann. Franz Werfels 1941 publizierte Erzählung «Eine blassblaue Frauenschrift» ist nicht nur politisch wirksame Parabel, sie zeigt zudem, welch eklatante Wirkung ein einziger Brief haben kann.
In der Literatur, insbesondere in den Briefromanen der Klassik und Romantik, wie ebenfalls im Musikdrama finden wir diesen Vorgang in mannigfaltiger Manier. Eine Kultur- und Kommunikationstechnik wird eingesetzt, um Geschehnisse zu beschleunigen, sie zu manipulieren, in eine andere Richtung zu steuern. Von Mozart bis zu Verdi, Strauss und Tschaikowsky spielen Briefe eine tragende Rolle. Und nehmen eine spannende Mittlerrolle zwischen privater und öffentlicher Sphäre ein
Was hat der radikale Wandel von Theater und Oper als Medien der repräsentativen Selbstbespiegelung der Aristokratie hin zu Kunstformen der Identitätsfindung und nachfolgenden Selbstvergewisserung des aufstrebenden Bürgertums mit der sich ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Berühmte Briefe in der Oper, Seite 82
von Peter Krause
Abgesehen von der merkwürdigen Art und Weise, wie sich die Saison 2020/2021 entfaltet hat, ist zunächst zu bemerken, dass im Gegensatz zur vorherigen Saison praktisch alle Institutionen, große wie kleine, vorbereitet waren, um auf die Unwägbarkeiten von Covid zu reagieren, indem sie Alternativen anboten: in Streaming oder in Theatern; mit sehr reduzierter Kapazität...
Hat alles nichts gebracht: die echten Flüchtlinge auf der Bühne; die Kinder aus Afrika, die Armut beglaubigen sollten, obwohl sie aus einer intakten, gar nicht so armen Familie kamen; die Nutten, Nutten und abermals Nutten, die der alten, elitären Oper mehr street credibility verschaffen sollten. Völlig nutzlos! Von der Relevanz, die mit diesen «Einfällen» des...
Die dritte Welle der Pandemie scheint überstanden. Man blickt zurück. «À la recherche du temps perdu»? Nein, eine «verlorene Zeit» ist es nicht gewesen. Es war eine Zeit des Innehaltens, eine Zeit zum Ordnen von Eindrücken, zum Überdenken von Positionen, auch eine Zeit des In-Frage-Stellens. Was ist haften geblieben von den Eindrücken, wie Oper unter erschwerten...
