Alternative Avantgarden
Mit Hermann Wolfgang von Waltershausens «Oberst Chabert», 1912 in Frankfurt/M. uraufgeführt und über 100-mal von London (Covent Garden) bis New York (Met), Stockholm, Wien, Prag und Riga nachinszeniert, endet der Ausgrabungszyklus der Ära Kirsten Harms an der Deutschen Oper Berlin.
Alternative Avantgarden nach 1900 wurden hier vorgestellt: neuartige musikdramatische Konzepte und Tonsprachen, die andere Wege ins Unbetretene einschlugen als die Zweite Wiener Schule, unser Wissen um kulturelle Vielfalt bereicherten, unsere in der Wiederholung der immer gleichen Werke ermüdete Sensibilität stimulierten und die bereits von Adorno in Bezug auf Zemlinsky formulierte Erfahrung aktualisierten, dass das Paradigma seriellen Komponierens ein zwar starkes, bei Weitem aber nicht das einzige Modell legitimen musikalischen Handelns ist.
Der kluge Kopf dahinter war Chefdramaturg Andreas K. W. Meyer. Ambitionierte, materialreiche Programmbücher und Mitschnitte sollten den Werken, die selbst Spezialisten vorher allenfalls dem Titel nach kannten, den Weg zurück ins Repertoire bahnen. Berlin als Leuchtturm des Musiktheaters. Nicht des interpretierenden Musiktheaters, sondern eines der neuen Stoffe, ...
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Wieder einmal herrscht Endzeitstimmung in der Staatsoper Stuttgart. Wie schon in seiner Inszenierung des «Fliegenden Holländer» vor zwei Jahren (siehe OW 3/2008) stellt Calixto Bieito seine Auseinandersetzung mit Wagners «Parsifal» unter den Aspekt universeller Zerstörung. Den Zuschauer empfängt, noch bevor das Vorspiel einsetzt, eine apokalyptische Landschaft –...
Die Opéra Comique gehört heute wieder zu den aktiven Pariser Opernhäusern. Die Direktion sieht es als primäre Aufgabe des Hauses an, «das französische Repertoire zu pflegen». Der Verständlichkeit des Textes komme dabei, wie stets in der französischen Operntradition, eine große Rolle zu. Konkret heißt das: Auf der Bühne der Salle Favart uraufgeführte Werke wie...
Den 1981 veröffentlichten Roman «Bliss» von Peter Carey für das Musiktheater heranzuziehen, ist eine erstaunliche Wahl. Ein disparates, solipsistisches Prosawerk, das für die Bühne ungeeignet scheint. Man spürt die Problematik, wenn man Amanda Holdens Libretto liest. Struktur und Stil eines Textes tragen nicht unwesentlich zum Gelingen (oder Scheitern) der auf eben...
