Alpha und Omega
Sarah Aristidou gehört zur wachsenden Zahl junger Sängerinnen und Sänger, die sich nicht damit zufriedengeben, auf ihren CD-Projekten einfach einen Lieder- oder Arienabend akustisch zu speichern, sondern die Chance des Mediums ergreifen, die traditionellen Programmstrukturen zu überschreiten. Jetzt legt sie mit «Enigma» ein Album vor, das die Rätsel des Lebens umkreist – Fragen, auf die die Musik in unterschiedlichen Echos antwortet, die von Schubert bis Jörg Widmann reichen, der mit von der Partie ist und für seine Lieblingssängerin ein neues Werk komponiert hat.
Sarah Aristidou setzt bei ihrer Suche nach dem Urklang, die sie zusammen mit dem gleichfalls in allen Stilen versierten Pianisten Daniel Arkadij Gerzenberg unternimmt, noch früher an und geht hinter das Wort auf den puren Klang, den reinen Ton zurück – im «Lamento turco» ihres zypriotischen Landsmanns Andreas Tsiartas, einem wortlosen Solo-Lied auf den Vokal «A». Was wir hören, taucht gleichsam aus dem Nichts auf, kommt näher und näher, wird heftiger, ja geradezu exaltiert und endet in einem Schrei der Geburt oder des Todes. Spätromantisch kultiviert wiederholt sich diese Verständigung der Stimme mit sich selbst in zwei ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 25
von Uwe Schweikert
Das also ist des Pudels Kern! Kein kapriziöser Kobold, kein Sartyr und auch kein Zauberer – ein General im sandfarbenen Militäranzug tritt vor den Gelehrten Faust hin, haust gar im gleichen Haus, eine Etage tiefer (Ausstattung: Camilla Bjørnvad), im düsteren Satanszimmer. Während der (vermeintliche) Titelheld noch chemische Formeln an jene Tafel schreibt, die auch...
György Ligetis «Le Grand Macabre» ist der seltene und zudem höchst erfolgreiche Fall einer Buffa aus der Feder eines Avantgardisten. Die 1978 in Stockholm uraufgeführte musikalische Groteske vom Weltuntergang mit ihrem handfest-derben Libretto und den marionettenhaft überzeichneten Figuren wurde selbst an mittleren und kleinen Häusern gespielt – meist als Grand...
Als Karlheinz Stockhausens «Sonntag aus Licht» 2011, drei Jahre nach dem Tod des Komponisten, in Köln uraufgeführt wurde, kamen größere Teile des Publikums in weißer oder goldener Kleidung. Warum? Weil es die Farben dieses Wochentags sind. Und weil es in Deutschland durchaus eine Stockhausen-Gemeinde gibt, die ihren «Meister» nicht nur aus musikalischen Gründen...
