Im Zentrum der Mensch
Nono klagt an, und seine Sprache ist Feuer.» Das schreibt 1963 der Komponist Karl Amadeus Hartmann über den 39 Jahre alten, künstlerisch und auch persönlich sperrigen Venezianer Luigi Nono. Im konservativen Westdeutschland der Adenauerzeit eckt der bekennende Kommunist Nono mit seiner künstlerischen Aufarbeitung der faschistischen Gewaltherrschaft und seinem Engagement für die Rechte der Arbeiterklasse verlässlich an.
Doch der väterliche Freund Hartmann nimmt den Kollegen mit Blick auf die konfliktreiche Nachkriegszeit gegenüber seinen Kritikern in Schutz: «Nono ist unerbittlich und hart, denn die Bedrohung ist ungeheuer, und bedroht ist der Mensch, der dem Künstler Nono, dem Menschen Nono einziger Sinn seines Schaffens ist.» Der Mensch im Zentrum – diese Botschaft verbindet die beiden ungleichen Charaktere: Hartmann, der unter dem langlebigen Faschismus in den Köpfen der Deutschen litt, und Nono, der in der katastrophalen condition humaine in vielen Ländern der Erde eine Folge von kapitalistischem Eigennutz und kolonialer Herrschaft sieht.
Den größten Teil seines Lebens verbringt Nono in Venedig. Hier wurde er vor 100 Jahren, am 29. Januar 1924, als Spross einer alten ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Essay, Seite 54
von Michael Struck-Schloen
Wer bin ich, und wie kann ich mich davor verstecken», war die Leitfrage des «Enrico», mit dem Manfred Trojahn 1991 seine Karriere als Opernkomponist begann. Dort erkennt der durch den Sturz bei einem Maskenspiel wahnsinnig gewordene Protagonist, der sich fortan für den deutschen Kaiser Heinrich IV. hält, eine einzig -artige Chance: die Rolle auch nach dem...
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