Tränenreigen
Bereits zum vierten Mal dokumentiert das französische Independent-Label b-records das Preis -trägerkonzert der Stipendiaten-Duos der Académie Orsay-Royaumont. Diese durften im Studienjahr 2022/23 unter dem Patronat der Mezzosopranistin Karine Deshayes und ihrer Klavierpartnerin Hélène Lucas in der Abtei Royaumont sowie am Pariser Musée d’Orsay in die hehre Kunst der Liedinterpretation vertiefen. Wie bei der Heidelberger Liedakademie oder der Stuttgarter Hugo-Wolf-Akademie ist man auch hier vom hohen künstlerischen Niveau überrascht, das die Vorjahreskonzerte noch übertrifft.
Alle vier Duos verfahren zweigleisig, indem sie sowohl deutsche Lieder wie französische Mélodies auf ihr Programm setzen – zwei konträre Gesangswelten, deren sprachliche wie stilistische Unterschiede sie erstaunlich souverän bewältigen, auch wenn nicht zu überhören ist, dass es mit der deutschen Aussprache, vor allem der für Nichtmuttersprachler schwierigen Diphthonge, manchmal hapert.
Dürfte man sich einen Favoriten aussuchen, so wäre es der französische Bassbariton Adrien Fournaison. Er glänzt mit warmem Legato in Gabriel Faurés «L’absent», erfasst den finsteren Ernst von Henri Duparcs albtraumhaft die ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 29
von Uwe Schweikert
Sie tun es alle irgendwann, und meistens mehrfach im Jahr. Am häufigsten vielleicht Frank-Walter Steinmeier und Olaf Scholz sowie die Fußballerinnen und Fußballer mit dem deutschen Adler auf der Brust. Und nicht nur sie; fast jeder Deutsche hat sich irgendwann mal an Haydns bekanntester Melodie versucht, der früheren Kaiserhymne und dem späteren Deutschlandlied....
Für das Teatro dell’Opera di Roma ist eine Saisoneröffnung mit Arrigo Boitos «Mefistofele» ein eher maßvoll ambitioniertes Unterfangen. Man kennt das Stück, dessen siebenstündige Erstfassung 1868 in Mailand weiland noch durchfiel (die auf weniger als die Hälfte eingekürzte Version setzte sich 1875 in Bologna durch) und in dem Boito eine Art Synthese von...
Lange wurde Georg Friedrich Händel verwöhnt von den Erfolgen, die ihm seine Wahlheimat London bescherte. Der wuchtige Hallenser, seit 1727 britischer Staatsbürger, hatte das Opernleben auf der Insel dominiert. Seine Royal Academy of Music sorgte durch den Starsänger Senesino sowie zwei konkurrierende Primadonnen für Furore – Francesca Cuzzoni und Faustina Bordoni...
