Alles Nostalgie?

Salzburger Festspiele: Für Stefan Herheim sind die «Meistersinger» ein Biedermeier-Traum, Alvis Hermanis deutet Birtwistles «Gawain» als Fluxus-Guru, Damiano Michieletto schickt «Falstaff» ins Altenheim. Außerdem: Mozarts «Lucio Silla» und Braunfels’ «Johanna»

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I.  Der Alidoro von Caracas

Womit beginnen? Mit der poetischen Besinnlichkeit der Eröffnungsrede von José Antonio Abreu, dem Alidoro von Caracas, dessen Sistema die Aschenputtel aus den venezolanischen Slums zu musikalischen Prinzen und Prinzessinnen machte? Das Youth Orchestra of Caracas ist ein wundersames Beispiel dafür; beim Eröffnungsakt lässt es die Instrumente tanzen und das Publikum jauchzen.

«Wenn die künstlerische Erziehung nicht mehr peripher bleibt, sondern ins Zentrum des Erziehungswesens rückt, wird die materielle Armut durch die Kunst in geistigen Reichtum verwandelt...», formuliert Abreu. Rettung der Gesellschaft durch die Kunst? Wagner hat davon geträumt, Hofmannsthal auch. In Venezuela erscheint sie als konkrete Utopie.

Apropos: Regisseure, so der Eindruck dieser ersten Opernstaffel der diesjährigen Salzburger Festspiele, scheinen der Auseinandersetzung mit einer unheimlichen Wirklichkeit müde zu sein. Stefan Herheim bei «Die Meistersinger von Nürnberg» und Damiano Michieletto bei «Falstaff» ziehen sich auf ähnliche Weise nostalgisch in die ­Innerlichkeit zurück, rekurrieren auf den Traum als eigentliche Realität. Und Alvis Hermanis beschwört bei Birtwistles ...

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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Gerhard Persché

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