Alles Nostalgie?
I. Der Alidoro von Caracas
Womit beginnen? Mit der poetischen Besinnlichkeit der Eröffnungsrede von José Antonio Abreu, dem Alidoro von Caracas, dessen Sistema die Aschenputtel aus den venezolanischen Slums zu musikalischen Prinzen und Prinzessinnen machte? Das Youth Orchestra of Caracas ist ein wundersames Beispiel dafür; beim Eröffnungsakt lässt es die Instrumente tanzen und das Publikum jauchzen.
«Wenn die künstlerische Erziehung nicht mehr peripher bleibt, sondern ins Zentrum des Erziehungswesens rückt, wird die materielle Armut durch die Kunst in geistigen Reichtum verwandelt...», formuliert Abreu. Rettung der Gesellschaft durch die Kunst? Wagner hat davon geträumt, Hofmannsthal auch. In Venezuela erscheint sie als konkrete Utopie.
Apropos: Regisseure, so der Eindruck dieser ersten Opernstaffel der diesjährigen Salzburger Festspiele, scheinen der Auseinandersetzung mit einer unheimlichen Wirklichkeit müde zu sein. Stefan Herheim bei «Die Meistersinger von Nürnberg» und Damiano Michieletto bei «Falstaff» ziehen sich auf ähnliche Weise nostalgisch in die Innerlichkeit zurück, rekurrieren auf den Traum als eigentliche Realität. Und Alvis Hermanis beschwört bei Birtwistles ...
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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Gerhard Persché
Götter mögen keine Kekse. Deshalb bringen die Menschen in den Longshan-Tempel Äpfel mit, auch Bananen, Papaya und Blumen. Viele der Götter, die hier versammelt sind, scheinen gemischte Teller zu bevorzugen: Je bunter die Opfergaben, desto bereitwilliger werden Gebete erhört. Kekse gibt es trotzdem – zur Stärkung der Gläubigen und zur Stärkung der Tempelkasse. Wer...
Der Fortbestand des Opernensembles der Wuppertaler Bühnen ist gefährdet. Der designierte Opernchef und Generalmusikdirektor Toshiyuki Kamioka, der das Sinfonieorchester Wuppertal bereits von 2004 bis 2009 als Chefdirigent leitete, will in Zukunft laut Medienberichten auf ein festes Sänger-Ensemble verzichten. Erst vor vier Jahren war das Opernhaus im Stadtteil...
Das Festival della Valle d’Itria in Martina Franca, traditionell der Wiederentdeckung vernachlässigter Werke und der Förderung junger Talente verschrieben, präsentierte sich in diesem Jahr mit einem komödiantischen Schwerpunkt. Den walzer-trällernden Auftakt machte mit «Crispino e la comare» ein Gemeinschaftswerk der neapolitanischen Brüder Federico und Luigi Ricci...
