Mann ohne Eigenschaften
Die eigentliche Premiere bei der diesjährigen Bayreuther Eröffnung bestand darin, dass es die Premiere des Vorjahres war. Kein Ruhmesblatt der Disposition und in der Geschichte der Festspiele noch nie dagewesen. Bundeskanzlerin und Bundespräsident kamen gemeinsam, auch das eine Premiere, aber im Wagner-Jahr keine Überraschung. Die Festspielleiterinnen dagegen zeigten sich nicht. Ausgerechnet im Wagner-Jahr. Zu heikel das Protokoll, sagen die einen. Angst vor einem Attentat, sagen andere.
Jedenfalls kletterten Sicherheitsbeamte auf dem Gerüst hinter der Plane, die die Fassade des Festspielhauses verbirgt und zitiert.
Musikalisch fiel der «Holländer» teils frischer, teils fader aus als letzten Sommer (siehe OW 9-10/ 2012). Frischer, weil Christian Thielemann und das Festspielorchester schon in der Ouvertüre für wilden, aber nie wüsten Wellengang sorgten. Ohne Metapher formuliert: Die chromatischen Streicherpassagen (Wagner notiert sie im Sechs-Achtel-Takt) wurden zielgerichtet phrasiert, das metrische Gerüst und seine Aushebelung gleichzeitig hörbar. Die Chöre (Eberhard Friedrich) waren dynamisch fein austariert, das heißt: nie zu laut, selbstgefällig oder wunschkonzerthaft. So ...
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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 9
von Stephan Mösch
Das Festival della Valle d’Itria in Martina Franca, traditionell der Wiederentdeckung vernachlässigter Werke und der Förderung junger Talente verschrieben, präsentierte sich in diesem Jahr mit einem komödiantischen Schwerpunkt. Den walzer-trällernden Auftakt machte mit «Crispino e la comare» ein Gemeinschaftswerk der neapolitanischen Brüder Federico und Luigi Ricci...
Das Doppeljubiläum, in dem wir uns immer noch befinden, hat in der Wagner-Literatur deutliche Zuwächse gebracht, erstaunlich, weil man denken konnte, es sei genug über Wagner publiziert worden. Giuseppe Verdi hingegen, den Aufführungszahlen nach doch wohl weltweit noch über Wagner stehend, wurde in deutscher Sprache deutlich weniger gewürdigt. Die Gründe mögen...
Das Verdi- und Wagner-Jahr 2013 ist auch ein Benjamin-Britten-Jahr, das aber im Jubiläumstrubel für die beiden großen Antipoden schier unterzugehen droht. Die Deutsche Oper Berlin hat, nicht eben überzeugend, «Peter Grimes» gespielt (OW 3/2013), Hamburg sich für die unterschätzte «Gloriana» eingesetzt (OW 4/2013). Die Düsseldorfer Rheinoper kündigt für die kommende...
