«Musik erschöpft sich nicht in Tempo und Dynamik»
Sie werden jetzt siebzig, kamen als Dirigent erst spät ins internationale Geschäft und haben nach dem Weg über Halle, Zwickau und Dresden Ihre erste Chefposition in Schwerin gehabt. Die Tendenz geht heute in die andere Richtung: Nicht einmal der Posten des Ersten Kapellmeisters an großen Häusern ist wirklich begehrt. Junge Dirigenten wollen sofort Chefs werden, und wer mit dreißig keine berühmten Orchester geleitet hat, bekommt eine Krise. Hat gutes Dirigieren mit Reife zu tun?
Es gibt heute zweifellos sehr gute junge Dirigenten.
Ich frage mich nur, wie sie mit sechzig oder siebzig Jahren dirigieren. Sind sie dann besser? Können sie einen Reifeprozess durchleben, wenn sie so hoch einsteigen? Ich würde von mir behaupten, dass ich im Laufe der Jahre besser geworden bin. Als sehr junger Mensch habe ich zum Beispiel den Fehler gemacht, Fidelio anzunehmen; in München war das, zu Wolfgang Sawallischs Zeiten. Darüber ärgere ich mich heute noch. Das Stück ist mörderisch schwer! In zwei Jahren werde ich es – nachdem ich es nie mehr dirigiert habe – in Madrid noch mal machen. Ein Herzenswunsch von mir. Bei Beethovens Missa solemnis habe ich immer gesagt: Ich dirigiere das nicht, bevor ich ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Interview, Seite 32
von Stephan Mösch
I am what I am» singt eine Frau vor der Ouvertüre – eine ansonsten stumme Darstellerin, die der wilden Freibeuterin Fosca als Mischwesen zwischen Groupie und Spielleiterin hinterherläuft. So ist der Käfig voller Narren von 1983 vor die Oper von 1873 gesetzt – die Regie versucht nicht, den grandiosen Opernschmarren der Fosca-Handlung zuzukleistern oder alle...
Lange konnte sich der italienische Verleger Giovanni Ricordi nicht am ersten großen Erfolg seines Schützlings Giuseppe Verdi freuen: Nach der französischen Erstaufführung von dessen Nabucco 1845 an der Pariser Oper meldeten sich zwei Autoren, die 1836 ein romantisches Melodram mit dem Titel Nabuchodonosor am Pariser Théâtre de l’Ambigu-Comique herausgebracht...
Mitunter überlebt Vergessenes oder Ausgeblendetes nahezu unbemerkt in Werken, die längst zum Kanon gehören. Wie jenes Zitat aus dem sechsten der Acht Lieder op. 6 (1903), das Schönberg in seinem 1924 unter Leitung Zemlinskys in Prag uraufgeführtem Monodram Erwartung op. 17 (1909) verwendet. Adorno hat in der Philosophie der neuen Musik darauf hingewiesen. Nun...
