Alles digital
Es war eine Theaterspielzeit, in der es viel Theater ums Theater gab, bei dem es zuerst um die Relevanz von Kultur ging, die in dem von der Politik verlautbarten Ranking zum Entsetzen des ganzen Betriebs irgendwo weit hinten kurz vor den Bordellen rangierte. Unter künstlerischen Aspekten ist diese Spielzeit kaum zu werten, weil die längste Zeit nur digitale Angebote herauskamen, live oder on demand, kostenfrei oder gegen mitunter gesalzene Gebühren.
Aber die wirklich gut finanzierten Häuser wie etwa die Bayerische Staatsoper konnten schlagkräftig reagieren und qualitativ halbwegs akzeptable Streamings anbieten.
Die kleineren Häuser boten zum Teil originelle kleinere Formate digital an. Kurz vor dem zweiten Lockdown gab es noch ein paar wenige sehr überzeugende Corona-gerechte Live-Aufführungen, etwa in Nürnberg («L’Orfeo») und Mannheim (Uraufführung von «Dark Spring»), die aus den Einschränkungen ästhetischen Gewinn zogen.
Besonders mutig waren im vergangenen Sommer und dieses Jahr an Pfingsten die Salzburger Festspiele, weil sie die ersten waren, die mit ausgefeiltem Hygienekonzept schon in der ersten Welle bewiesen, dass man sowohl ohne Abstandsregeln arbeiten kann (mit massiver ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 117
von Regine Müller («WDR», «taz», «NZZ», Düsseldorf)
Wien, im Jahre 1936. An seinem 50. Geburtstag erhält Sektionschef Leonidas einen Brief. Geschrieben hat ihn Vera Wormser, seine ehemalige Geliebte, die ihn darin um Hilfe bittet. Vera ist Jüdin, ihr Sohn in Gefahr, Leonidas einflussreich genug, damit Schlimmeres verhindert werden kann. Franz Werfels 1941 publizierte Erzählung «Eine blassblaue Frauenschrift» ist...
Taugt die Krise als Pflicht und Chance, es alsbald anders zu machen? Drei Beispiele des Gelingens in einer nur scheinbar gescheiterten Spielzeit: Mit Händels «Tolomeo» transzendiert Regisseur Anthony Pilavachi das Artifizielle barocker Operngestik und das derzeitige Distanzgebot am Theater Lübeck, zu Saisonbeginn noch mit echtem Publikum im Saal, zu berührendem...
Träumer waren sie, auf die eine und andere Art, beide. Doch nicht im naiven oder sentimentalischen Sinne. Ihre Ausflüge in die Welt des Un(ter)bewussten gingen darüber weit hinaus, sie trugen das Gepräge des Existenziellen, weil ihr Ziel darin bestand, die tiefere Bedeutung der Traumwelt zu erkunden. Dies vor allem sowie die große Lust, die Sphäre der Realität...
