Stunde der Wahrheit

Opernwelt - Logo

Taugt die Krise als Pflicht und Chance, es alsbald anders zu machen? Drei Beispiele des Gelingens in einer nur scheinbar gescheiterten Spielzeit: Mit Händels «Tolomeo» transzendiert Regisseur Anthony Pilavachi das Artifizielle barocker Operngestik und das derzeitige Distanzgebot am Theater Lübeck, zu Saisonbeginn noch mit echtem Publikum im Saal, zu berührendem Musiktheater. Die Selbstbezogenheit der Figuren wie ihr Erspüren erotischer Energien wird umso stärker Ereignis, als es nicht mit konkreter Nähe verbunden werden darf.

In Mannheim entzündet Regisseur Lorenzo Fioroni mit Rameaus Meisterwerk «Hippolyte et Aricie» ein fantastisches Feuerwerk der Fantasie und beschert dem zum Saisonende digitalen Publikum eine Musiktheater-Erfüllung. Die Produktion am Nationaltheater spürt spielerisch leichtgängig auch jene Parallelen auf, durch die wir die Zeitgenossenschaft des barocken Lebensgefühls und Theatergeistes vor Augen und Ohren geführt bekommen. Die der Übertragung vorgeschaltete Einführung, in der sich Dramaturgin und Intendant lustvoll und klug die Bälle zuspielen, macht neugierig – und beweist, wie wunderbar sich digitale Kanäle für die Vermittlung anspruchsvoller Inhalte eignen. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 114
von Peter Krause («Opernwelt», Hamburg)

Weitere Beiträge
Barock in Bayreuth

«Damit ein Ereignis Größe habe», schrieb Friedrich Nietzsche über Richard Wagner in Bayreuth, «muss zweierlei zusammenkommen: der große Sinn derer, die es vollbringen, und der große Sinn derer, die es erleben.» Das Verblüffende an diesem Satz ist, dass er sich nicht nur auf die ersten Festspiele 1876 beziehen lässt. Sondern auch – und zwar ausgerechnet im...

Wichtige (Ur-)Aufführungen der Saison

Es war eine Uraufführung von bleibendem Wert: Marc-André Dalbavies Musiktheater Le soulier de satin am Palais Garnier der Opéra de Paris führte den Beweis, dass ein schier unspielbares Theaterstück als Oper funktioniert. Der Komponist, der sein Werk selbst dirigierte, und seine Librettistin Raphaèle Fleury verwandelten Claudels Menschheitsparabel in ein «lustvolles...

Es ist möglich!

Der Kölner Opernskandal wurde in der Pandemie zum Glücksfall. Weil die Renovierung der Oper im Tempo des Berliner Flughafenbaus verläuft, spielt das Musiktheater weiter in der Ausweichspielstätte, dem Staatenhaus. Dort gibt es genug Platz, um trotz Abstandsgeboten ein romantisch besetztes Orchester in voller Stärke spielen zu lassen. So konnte die Kölner Oper...