Absurdes Theater

Dvořák: Rusalka an der Staatsoper Berlin

Opernwelt - Logo

Die romantische Oper lebt, auch in ihren letzten Exemplaren, vom Dreiklang aus Natur, Liebe und Tod. Streicht man einen dieser Topoi, wird es schwierig; streicht man zwei, ist es nicht mehr romantisch; streicht man drei, haben wir es mit schlechtem Regietheater zu tun. Die neue Berliner «Rusalka» kennt weder Natur noch Liebe; sie bietet lediglich Surrogate an. Im Finale findet Kornél Mundruczó beeindruckende Bilder für den Tod und kompensiert damit immerhin die jämmerliche Leere der ersten beiden Akte.

Von der Operngattung an sich scheint der Regisseur nicht den blassesten Schimmer zu haben. Über zwei Stunden lang gibt es bei ihm keine Szene, keine Aktion, keine einzige Bewegung, die Text und Musik in ein stimmiges Verhältnis setzen würde. Dass er Jaroslav Kvapils Märchen – ein Amalgam aus Andersen, Fouqué, Grillparzer und Hauptmann – in eine Wohngemeinschaft verlegt und den Waldsee in eine Badewanne, ist nicht unbedingt das Problem – aber wie er vorgeht, macht sein Laienspiel zur wahrscheinlich absurdesten Deutung, die jemals irgendwo gezeigt wurde.

Die exzellent disponierte Staatskapelle und eine handverlesene Solistenschar retten den Abend. Man genießt ihre Kunst am besten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2024
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Volker Tarnow

Weitere Beiträge
Im Liebesbermudadreieck

Jean-Marie Leclairs am 4. Oktober 1746 in der Pariser Académie royal de musique uraufgeführte Tragédie «Scylla et Glaucus» war ein schneidender Misserfolg und wurde trotz einer sofortigen Überarbeitung bereits zwei Monate später nach 18 Vorstellungen abgesetzt. Es sollte der einzige Ausflug des berühmten Geigers und Instrumentalkomponisten in die Oper bleiben. Erst...

Ein Kunststück

Als Antonio Pappano 2002 als Musikdirektor nach Covent Garden kam, begann seine Amtszeit mit einer Neuproduktion von Straussens/Hofmannsthals «Ariadne auf Naxos» in der Regie von Christof Loy. In diesem Sommer wird der Italiener das Royal Opera House nach einer für ihre Vielseitigkeit ebenso wie den musikalischen Standard vielgerühmten Amtszeit verlassen, um als...

Königstreffen

Irgendwann treibt es sie fast alle dahin, die im deutsch-lyrischen Fach sozialisierten Taminos und Belmontes. Als ob der Lohengrin eine natürliche Karrierefolge wäre, so trudeln früh die Angebote ein für den angeblich «italienischsten» aller Wagner-Helden. Daniel Behle hat den Gralsritter seit einiger Zeit im Repertoire und ihn zuletzt in Amsterdam (sehr gut)...