Nachtgewächs

Sie zählt zu den spannendsten Komponistinnen der Gegenwart. Ihre Werke sind häufig poetisch-philosophische Erkundungen menschlicher Abgründe. In Schwetzingen und München kommen nun zwei neue Schöpfungen von Lucia Ronchetti heraus. Ein Porträt

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Nachts, so heißt es, seien alle Katzen grau. Auch in einer Bibliothek. Doch manchmal huschen auch kleine Kobolde durch das Reich der Göttin Nyx, zumindest in Romanen, die «Mitternachtskinder» heißen und aus der Feder eines der größten Erzähler-Phantasten unserer Zeit stammen. Salman Rushdies Roman aus dem Jahr 1981 ist zum Verlieben schön.

Aber ist es auch einer zum Vertonen? Lucia Ronchetti beantwortete die Frage mit einem klaren Ja, und so kam 2015 am auftraggebenden Nationaltheater Mannheim eines ihrer poetischsten Stücke zur Uraufführung – das Musiktheater «Esame di mezzanotte» für Schauspieler, Stimmen, Vokalensemble, Kinderchor, Chor und Orchester. Regie führte Achim Freyer, der große, alte Märchenonkel, der noch jede Oper in einen klingenden Zaubergarten (oder, wie hier, in einen Büchergarten) zu entführen wusste, am Pult stand mit Johannes Kalitzke ein echter Könner auf dem Gebiet der zeitgenössischen Musik. Vera-Lotte Boecker, 2022 «Sängerin des Jahres», zeigte damals schon ihr enormes singdarstellerisches Talent, und auch ihre Partner, darunter die (Counter-)Tenöre Matthew Shaw und Ziad Nehme, sowie das Schauspieler-Trio Christoph Wittmann, Reuben Willcox und Philipp ...

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Opernwelt März 2024
Rubrik: Porträt, Seite 54
von Jürgen Otten

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