Abschiede
Endlich hat die Met ihren schwergängigen, vom Publikum indes heißgeliebten «Rosenkavalier» von 1969 in den Ruhestand geschickt. Fortan wird er in jener raffinierten, oft geschäftigen Inszenierung gegeben, die Robert Carsen Ende letzten Jahres an Covent Garden herausbrachte. Paul Steinberg lieferte dazu die im Stil der Sezession gehaltenen, nicht immer attraktiven Bühnenbilder, Brigitte Reiffenstuel exzellent gearbeitete Kostüme aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.
Strauss und Hofmannsthal haben uns drei außergewöhnliche Finali beschert.
Wirklich in den Griff bekam Carsen freilich nur das erste: Die Marschallin tritt durch Türen ab, die zugleich ihre Möglichkeiten zu verschließen scheinen. Mit dem Gruppenfoto und überfallartigen Massaker des Militärs zum Ende des zweiten Akts hingegen bemüht die Regie derzeit schwer überstrapazierte Klischees. Am Premierenabend kassierte das Produktionsteam einige Buhs, ungetrübter Applaus in der zweiten Vorstellung.
Gefeiert wurde zu Recht Sebastian Weigle, der das Met-Orchester zuletzt (und bisher einzigem Mal) bei einer «Zauberflöten»-Serie geleitet hatte. Weigle wählte rasche Tempi, klare Konturen, lockerte die Zügel freilich in beinahe ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 51
von David Shengold
Am Ende steuert alles auf den Gesamtkunstwerker zu. Naturgemäß, könnte man bei diesem Autor sagen: Auf dem weiten Feld der Wagner-Rezeption gehört Udo Bermbach zu den aktivsten Analytikern. «Wagneriana / Bayreuthiana» bildet das große Finale seines neuen Buchs. Es versammelt Reden, Programmheftbeiträge und andere Essays aus den Jahren 1999 bis 2016, die meisten...
Ja, es gibt Vorurteile gegen dieses Stück: nicht zu Unrecht. Ganz ausgereift erscheint die Geschichte nicht, wirkt zudem bei oberflächlichem Blick wie ein «Rosenkavalier»-Imitat, wie der fahle Nachhall des Geniestreichs. Ist es aber nicht, wenn man genau hinschaut. Und vor allem: hinhört. Dann wird schlaglichtartig die Vergänglichkeit der Epoche bewusst, und wie...
Erst seit etwa zwei Jahrzehnten wird Tschaikowsky von der Musikforschung wirklich ernstgenommen – nicht zuletzt dank der deutschen Tschaikowsky-Gesellschaft, von Thomas Kohlhase vor 24 Jahren mit unermüdlichem Einsatz lanciert. Wenn derselbe Kohlhase nun ein kompaktes Werkverzeichnis vorlegt, ist das eine hochwillkommene und beeindruckende Bestandsaufnahme all der...
