Bolzenschuss
Giacomo Puccinis «Tosca» gehört zu den ziemlich unverwüstlichen Opern, überlebt Regiequark und szenische Monstrositäten, egal ob Zeffirelli oder einen Ben-Willikens-Betonbunker, stimmt nur die Besetzung und waltet im Graben ein Dirigent mit Theaterblut. Zutaten, mit denen sich Repertoireaufführungen, aber auch Festspiele bestreiten lassen. In Baden-Baden haben die Berliner Philharmoniker im fünften Jahr Osterresidenz genommen. Vor 29 Jahren hat das Orchester zuletzt «Tosca» gespielt, unter Karajan war’s, auch bei Osterfestspielen, den originalen damals in Salzburg.
Es müssen traurig-matte Abende gewesen sein, selbst die Rezension von Joachim Kaiser war mit «todlangweilig» betitelt. Was der Kritiker wohl zur «Tosca» von Simon Rattle, seiner ersten, gesagt hätte?
Manchmal entscheidet eine Fermatenpause über das Ganze: in diesem Fall zu Beginn die Zäsur, welche die Scarpia-Akkorde von Angelottis Fluchtmusik trennt. In der kompositorischen Konzeption ein Gedankensprung, nach späterer ästhetischer Kategorie ein Filmschnitt, mehr nicht. Rattle hält inne, stoppt den Energiestrom, setzt nach dem Andante molto sostenuto für das Vivacissimo non violenza neu an. Das unterminiert den ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Götz Thieme
Am Schluss kreist das Planetarium geräuschlos um die eigene Achse, während sämtliche Figuren des Stücks an die Rampe treten und per Videotechnik auf die Bühnenrückwand projiziert werden. Es ist die leisere, aber durchaus transzendenzaffine Variante eines Bildes, mit dem Paul Hindemith zum Ende seiner Oper «Die Harmonie der Welt» nicht weniger als die gesamte...
JUBILARE
Mark Elder wurde 1947 im englischen Hexham geboren. Er studierte Musik in Cambridge und trat als Dirigent international erstmals 1972 an der Oper von Sydney in Erscheinung. 1974 kehrte er nach England zurück und dirigierte von da an regelmäßig an der English National Opera, deren Musikdirektor er von 1979-93 war. Seinen künstlerischen Durchbruch bescherte...
Endrik Wottrich war – in Stimme und Temperament – ein Heißsporn, den die äußere Welt noch zusätzlich befeuerte. Seine Karriere holte nicht Schwung wie die von Jonas Kaufmann, sie raste gleich los. Kaum hatte der Tenor 1992 als Cassio in Verdis «Otello» debütiert, sang er am Grünen Hügel schon vier Jahre später den jungen Seemann in Wagners «Tristan und Isolde». Die...
