Bolzenschuss
Giacomo Puccinis «Tosca» gehört zu den ziemlich unverwüstlichen Opern, überlebt Regiequark und szenische Monstrositäten, egal ob Zeffirelli oder einen Ben-Willikens-Betonbunker, stimmt nur die Besetzung und waltet im Graben ein Dirigent mit Theaterblut. Zutaten, mit denen sich Repertoireaufführungen, aber auch Festspiele bestreiten lassen. In Baden-Baden haben die Berliner Philharmoniker im fünften Jahr Osterresidenz genommen. Vor 29 Jahren hat das Orchester zuletzt «Tosca» gespielt, unter Karajan war’s, auch bei Osterfestspielen, den originalen damals in Salzburg.
Es müssen traurig-matte Abende gewesen sein, selbst die Rezension von Joachim Kaiser war mit «todlangweilig» betitelt. Was der Kritiker wohl zur «Tosca» von Simon Rattle, seiner ersten, gesagt hätte?
Manchmal entscheidet eine Fermatenpause über das Ganze: in diesem Fall zu Beginn die Zäsur, welche die Scarpia-Akkorde von Angelottis Fluchtmusik trennt. In der kompositorischen Konzeption ein Gedankensprung, nach späterer ästhetischer Kategorie ein Filmschnitt, mehr nicht. Rattle hält inne, stoppt den Energiestrom, setzt nach dem Andante molto sostenuto für das Vivacissimo non violenza neu an. Das unterminiert den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Götz Thieme
Zum Lachen geht man in Dresden jetzt in den Keller: Das Kabarett «Herkuleskeule» hat nämlich eine neue Spielstätte, im Untergeschoss des Kulturpalasts. Durch die Entscheidung, dem 1969 symbolträchtig ins historische Zentrum geklotzten Bau seine Außenhaut zu lassen, ihn innen aber völlig zu entkernen, entstand zusätzlicher Raum: Die riesige, für Orchesterkonzerte...
Gleich mit dem ersten Konzert in der neuen Residenz hat Laurence Equilbey klargestellt, wohin es ihr kaum fünf Jahre altes Insula Orchestra zieht: zur Musik der «génération Goethe». Und: zu einer multimedialen Aufführungskultur, die das Repertoire zwischen 1750 und 1850 mit Technik des 21. Jahrhunderts zu vermitteln sucht. Während Stanislas de Barbeyrac zur ersten...
Die Entstehungsgeschichte des «Prophète» zieht sich lang durch die 1840er-Jahre. Für die extremen Anforderungen an seine Hauptpartien musste Meyerbeer auf die Verfügbarkeit vor allem der epochalen Mezzosopranistin Pauline Viardot warten, die Fidès, der Mutter des falschen Propheten, unfassbar profunde Töne zu geben vermochte. Dann kam noch die 48er Revolution...
