Abschied(e)
Eine alte griechische Legende erzählt, dass Schwäne unmittelbar vor ihrem Ableben Gesänge von geradezu ätherischer Schönheit anstimmen. Unter dem Titel «Schwanengesang» versammelte der Verleger Tobias Haslinger posthum 14 Schubert-Lieder zu Texten von Rellstab, Heine und Seidl und erhob sie so zum klangvollen Vermächtnis. Anders als die großen Zyklen «Die schöne Müllerin» und «Winterreise» entzieht sich diese Sammlung jeder geschlossenen Dramaturgie: «Schwanengesang» ist ein offenes Konvolut letzter Stimmen.
Diese strukturelle Offenheit bildet den Ansatzpunkt für Romeo Castelluccis «Schwanengesang» am Teatro Stabile dell’ Umbria in Perugia. Der Regisseur versteht den Zyklus nicht als historisches Objekt, sondern als neu zu disponierendes Material. Aus der Haslinger-Sammlung bleibt allein das «Ständchen» erhalten; die übrigen Lieder entstammen anderen Kontexten aus Schuberts Œuvre. Der Eingriff ist radikal, aber folgerichtig: Nicht Rekonstruktion ist das Ziel, sondern existenzielle Verdichtung. Castelluccis Inszenierung entpuppt sich als asketisch-theatralische Introspektion. Auf der nahezu leeren Bühne befinden sich nur der seitlich unter dem Vorhang platzierte Pianist Alain ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Magazin, Seite 89
von Jürgen Otten
Param Vir, indisch-britischer Komponist, ist schon 1992 bei der seinerzeit von Hans Werner Henze geleiteten Münchener Biennale in Erscheinung getreten mit zwei Operneinaktern, in denen es um buddhistische Fabeln ging. Danach erschienen im großen Abstand zwei weitere Musiktheaterwerke und nun in Bonn eine neue Oper über Siddhartha Gautama und seinen Weg zum Buddha....
Weil hier die Männer das Wort führen, setzt die Regisseurin Elisabeth Stöppler unmittelbar einen Akzent. Zum Vorspiel zeigt sie Eva, die Tochter des megareichen Pogner, in einem schmalen White Cube als Intellektuelle: Kurzhaarfrisur, Schülerin von Hans Sachs, dem Poetik-Professor im Nebenberuf, der ihr eben ein Lied verreißt. «Fanget an! So rief der Lenz in den...
Zur Schweiz gehört, dass das Volk über alles Mögliche abstimmen kann. Warum also nicht auch einmal über den Ausgang einer Oper? Konkret fragt das Luzerner Theater sein Publikum, ob Carmen am Ende sterben soll. Aber wer stimmt heute schon für einen Femizid? Dennoch sollen sich in der besuchten Vorstellung 38 Prozent (!) für Carmens Tod ausgesprochen haben. Carmen...
