Abnehmendes Interesse
Die zurückliegende Opernspielzeit machte das Besondere des eigentlich Normalen für jeden greifbar: Live produzierte und rezipierte Bühnenkunst ist durch keine noch so ausgefeilten Online-Angebote wirklich zu ersetzten. Es ist ein Trost, dass einige der großen Häuser jede Möglichkeit, die ihnen die Pandemiebekämpfung erlaubte, offensiv nutzten, um für das Publikum sichtbar zu bleiben. So hat etwa die Bayerische Staatsoper München ihre Verantwortung als großes deutsches Haus mit Anspruch wahrgenommen.
Das gilt für die der Krise abgerungenen Premieren (von Braunfels’ «Vögel», über «Freischütz» und «Rosenkavalier» bis zum «Lear»). Sie wurden auf die Bühne gebracht und waren einem breiten Publikum im allemal gut funktionierenden Stream zugänglich. Neben einer Reihe von speziellen separat dafür gedachten Angeboten. Aber auch kleineren Häusern, wie etwa denen in Meiningen oder Cottbus gelangen in der Pause zwischen Lockdowns mit «Through his teeth» oder «Mazeppa» herausragende Produktionen.
Zu den Regisseuren, die künstlerisch besonders geschickt mit dem Ausweichen ins Online-Format umgingen, gehört Christof Loy mit Zandonais «Francesca da Rimini», die an der Deutschen Oper Berlin sowohl ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 115
von Joachim Lange («Neue Musikzeitung», «Standard», Halle)
Es war eine Theaterspielzeit, in der es viel Theater ums Theater gab, bei dem es zuerst um die Relevanz von Kultur ging, die in dem von der Politik verlautbarten Ranking zum Entsetzen des ganzen Betriebs irgendwo weit hinten kurz vor den Bordellen rangierte. Unter künstlerischen Aspekten ist diese Spielzeit kaum zu werten, weil die längste Zeit nur digitale...
Abgesehen von der merkwürdigen Art und Weise, wie sich die Saison 2020/2021 entfaltet hat, ist zunächst zu bemerken, dass im Gegensatz zur vorherigen Saison praktisch alle Institutionen, große wie kleine, vorbereitet waren, um auf die Unwägbarkeiten von Covid zu reagieren, indem sie Alternativen anboten: in Streaming oder in Theatern; mit sehr reduzierter Kapazität...
Die Corona-Pandemie hält die Welt im Würgegriff. Die ganze Welt? Mitnichten. Reiche Länder impfen sich in eine «Neue Normalität», öffnen ihre Theater. Und schließen bald wieder, es ist ja Sommerpause. Wer könnte schon erwarten, dass man aus der schlimmstmöglichen Marginalisierung von Bühnenkunst in Friedenszeiten etwas gelernt hätte? Die ausstolpernde Notsaison...
