49 Mörderinnen und ein Blondinenwitz

Salieri und Mozart im Theater an der Wien: Christophe Rousset dirigiert «Les Danaïdes», René Jacobs nimmt sich «Idomeneo» vor.

Opernwelt - Logo

Wien, Domgasse 5. Im ersten Stock die Wohnung, in der Mozart während der Arbeit am «Figaro» wohnte. Es sind schöne stille Räume, angefüllt mit gefrorener Zeit, und der Besucher fragt sich, ob das schrille Lachen, mit dem Tom Hulce als Faun Amadeus in Milos Formans Film nicht nur F. Murray Abrahams Salieri, sondern auch den Zuschauer nervte, dort tatsächlich je erklungen ist. Mozart und Salieri.

Viel Böses ist in diesem Zusammenhang über den Mann aus Legnano in die Welt gesetzt worden, der ganz anders war als sein Ruf und überhaupt nicht so, wie ihn noch Peter Shaffer und Forman zeigen: als nächtigen Charakter und neidischen Dunkelmann. An die Irrmeinung, Salieri habe bei Mozarts Tod giftig mitgemischt, hat schon Puschkin geglaubt, und sie hält sich noch immer. So verfälschte eine als musikhistorisch ausgegebene Schauerstory das Persönlichkeitsbild eines Mannes, dem das Musikleben seiner Wahlheimat Wien wichtige Impulse verdankte.

Wie dem auch sei: Im Theater an der Wien trafen im November die beiden vermeintlichen Kontrahenten erneut aufeinander, denn in eine Serie von Mozarts «Idomeneo», dirigiert von René Jacobs und inszeniert von Damiano Michieletto, platzte quasi eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
CD des Monats - Extrem nackt und unglaublich nah

Elektrisierende Streicher, dunkel murmelndes Klavier. Wind, der die Baumwipfel zaust, in rhythmischen Böen niederstreicht – so beginnt Ralph Vaughan Williams’ «On Wenlock Edge» zu Texten aus A. E. Housmans «A Shropshire Lad», uraufgeführt 1909. Dann sind da die Glocken in «Bredon Hill», schwingende Quinten, leichtfüßig durchschrittene Terzen, schließlich düstere...

Die Zeit, die ist ein kostbar Ding

Herr Protschka, warum brauchen wir einen Gesangswettbewerb ohne Altersbeschränkungen?

Ein Wettbewerb wie ArtOpera ist wichtig, weil Sängerbiografien nicht so geradlinig verlaufen wie die von Instrumentalisten. Wir Sänger fangen relativ spät an – Ausnahmen wie Anja Silja bestätigen die Regel. Meist geht es erst nach der Pubertät oder nach dem Stimmbruch richtig los....

Geschichten aus dem Volk

Ignacy Ian Paderewski (1860-1941) ist als herausragender Klavier-Virtuose in die Musikgeschichte eingegangen, einige Aufnahmen haben sein Können und seine Eigenart für die Nachwelt festgehalten. Für die Polen aber war er viel mehr als ein Pianist: ein nationaler Heros, einige Jahre sogar Ministerpräsident seines Heimatlandes. Und auch das Komponieren betrieb er...