49 Mörderinnen und ein Blondinenwitz
Wien, Domgasse 5. Im ersten Stock die Wohnung, in der Mozart während der Arbeit am «Figaro» wohnte. Es sind schöne stille Räume, angefüllt mit gefrorener Zeit, und der Besucher fragt sich, ob das schrille Lachen, mit dem Tom Hulce als Faun Amadeus in Milos Formans Film nicht nur F. Murray Abrahams Salieri, sondern auch den Zuschauer nervte, dort tatsächlich je erklungen ist. Mozart und Salieri.
Viel Böses ist in diesem Zusammenhang über den Mann aus Legnano in die Welt gesetzt worden, der ganz anders war als sein Ruf und überhaupt nicht so, wie ihn noch Peter Shaffer und Forman zeigen: als nächtigen Charakter und neidischen Dunkelmann. An die Irrmeinung, Salieri habe bei Mozarts Tod giftig mitgemischt, hat schon Puschkin geglaubt, und sie hält sich noch immer. So verfälschte eine als musikhistorisch ausgegebene Schauerstory das Persönlichkeitsbild eines Mannes, dem das Musikleben seiner Wahlheimat Wien wichtige Impulse verdankte.
Wie dem auch sei: Im Theater an der Wien trafen im November die beiden vermeintlichen Kontrahenten erneut aufeinander, denn in eine Serie von Mozarts «Idomeneo», dirigiert von René Jacobs und inszeniert von Damiano Michieletto, platzte quasi eine ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Gerhard Persché
Nicola Antonio Porpora komponierte die Serenade «Gli orti esperidi» 1721 als Geburtstagsgruß an Kaiserin Elisabeth Christine von Wolfenbüttel, deren Gatte Karl VI. u. a. über das Königreich Neapel herrschte. Die Geschichte dazu lieferte der blutjunge Librettist Pietro Metastasio: In Begleitung ihres Geliebten Adonis steigt Venus hinab in den Garten der Hesperiden,...
Die letzten Dinge. Haben sie eine besondere Kraft, oder neigen wir dazu, sie ihnen anzudichten? Händel konnte die Uraufführung seines letzten originalen Oratoriums «Jephtha» im Februar 1752 nur noch mit Mühe dirigieren. «He breaks very much & I think he is quite blind in one eye», beobachtete der Gelehrte James Harris. Purcell hatte 1695 noch weniger Glück mit «The...
Bei einem Großformat wie «Parsifal» summieren sich künstlerische Entscheidungen zu ansehnlicher Lebenszeit: Was Pierre Boulez 1970 in gut dreieinhalb Stunden verhandelte, dafür ließ sich James Levine 1990 eine geschlagene Stunde mehr Zeit. Von Richard Strauss stammt das Bonmot, der Meister habe «Parsifal» schon sehr langsam komponiert, dazu brauche man nicht durchs...
