Ganz neue Töne
Manche Opernhäuser haben nicht nur ihre Säulenheiligen, die Bayerische Staatsoper etwa mit Mozart, Wagner und Strauss, sie hegen auch noch ihre heiligen Stücke. Und das müssen nicht unbedingt die Hits sein. Es können – wieder Beispiel München – auch auskragend komplexe, denk- und fragwürdige Dramen wie «Die Frau ohne Schatten» von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal sein. Ein Dirigentenstück. Eines für jene, die sich über Deutschtraditionelles definieren. Unter Wolfgang Sawallisch gehörte diese monumentale Herdprämienfeier zum Repertoire.
Und fast eine Generation zuvor, am 21. November 1963, wählte Joseph Keilberth jenes Opus für die Wiedereröffnung des 20 Jahre zuvor zerstörten Nationaltheaters.
Das Datum verlangt also nach geschichtsbewusster Beantwortung, jetzt, 50 Jahre danach. Der Festakt im Nationaltheater verunglückte leicht. Auf der Bühne saßen verdiente Sänger-Senioren, darunter die 92-jährige Inge Borkh, die Färberin von 1963. Man hätte von ihnen gern etwas erfahren über fünf Jahrzehnte Staatsoper. Doch als Redner war der Schriftsteller Péter Esterházy gebucht. Der sprach in amüsanter Dauer-Ironie, aber eben meistens von sich selbst. Und alle diejenigen, die vor ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Markus Thiel
Er taucht in jeder Geschichte der Oper auf, besonders häufig freilich, wenn es um die des 19. Jahrhunderts geht, noch spezifischer: wenn von Rossini, Bellini, Donizetti und der Entwicklung des frühromantischen italienischen Melodramma, aber eben auch der Buffa die Rede ist. Dann wirft er einen langen Schatten, bleibt aber als dunkle Silhouette im Hintergrund, wird...
Seit der Uraufführung in Bremen 1999 ist Detlev Glanerts Kammeroper über den Justizmord an Joseph Süß Oppenheimer, dem Financier des württembergischen Dandy-Herzogs Karl Alexander, mehrfach nachgespielt worden. Zuletzt war das im frühen 18. Jahrhundert angesiedelte, virtuos mit Mustern und Formen der Barockmusik jonglierende Stück in Trier (siehe OW 7/2010) sowie...
Die letzten Dinge. Haben sie eine besondere Kraft, oder neigen wir dazu, sie ihnen anzudichten? Händel konnte die Uraufführung seines letzten originalen Oratoriums «Jephtha» im Februar 1752 nur noch mit Mühe dirigieren. «He breaks very much & I think he is quite blind in one eye», beobachtete der Gelehrte James Harris. Purcell hatte 1695 noch weniger Glück mit «The...
