Zwischen Spätromantik und Postmoderne
Shakespeares Komödien, Historien und Tragödien sind ein unerschöpflicher Fundus, aus dem sich die Opernkomponisten seit jeher bedient haben. Bielefeld hat jetzt Zdenek Fibichs «Sturm» als deutsche Erstaufführung herausgebracht. Im nahe gelegenen Osnabrück wurde André Werners «Lavinia A.» nach «Titus Andronicus» uraufgeführt. Gegensätzlichere Stücke als die blutrünstige Tragödie der Gewalt und die poetische Fantasie um Macht und Magie lassen sich im Werk Shakespeares kaum finden, gegensätzlichere Theaterhaltungen als die Werners und Fibichs kaum denken.
Beide Male zeigte sich, dass die Vertonung alter Stoffe wenig über Shakespeare, umso mehr dagegen über die Zeit ihrer Entstehung und die künstlerischen Ziele der jeweiligen Komponisten verrät.
Zdenek Fibich (1850-1900) hatte es als Opernkomponist schon zu Lebzeiten schwer. Seinen Landsleuten war er in Stoffwahl und musikalischer Ausrichtung zu kosmopolitisch. Außerhalb seiner Heimat dagegen geriet ihm seine Nationalität zum Nachteil. Nach seinem frühen Tod hat ihm der nur vier Jahre jüngere Leos Janácek als Musikdramatiker den Rang abgelaufen. Dabei hatte Fibich noch vor Debussy und Strauss in der antiken Melodramentrilogie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Stolze vier Uraufführungen stemmt das Stadttheater Fürth zum 1000-jährigen Stadtjubiläum. Mit der Wirtschaftswunderrevue «Petticoat & Schickedance» gelang ein großer Publikumserfolg, jetzt folgte mit dem zweiten Auftragswerk «Aus der Welt» eine anspruchsvollere Kammeroper, die beifällig aufgenommen wurde. Was zum einen an der gar nicht neutönerischen, sondern...
Das Beste am Christentum sei, dass es Ketzer hervorgebracht habe, bemerkte der Philosoph Ernst Bloch einmal. Ob José Maria Sánchez-Verdú die Schriften Blochs kennt, sei hier dahingestellt. Doch eines haben der deutsche Denker, der bis zu seinem Tod 1977 mit Marx- und Engelszungen die Utopie einer im Diesseits erlösten Welt predigte, und der 1968 geborene spanische...
Es ist eine Schlüsselidee des «Don Giovanni»: Die d-moll-Schläge des steinernen Gastes tauchen im Stück erst spät auf, aber sie eröffnen die Ouvertüre. Kraft und Magie des Übernatürlichen bilden ein akustisches Portal zu allem, was folgt. Mozart ist dafür, schon im 19. Jahrhundert, viel gerühmt worden. Nur: Die Idee stammt von Salieri. Die Ouvertüre zu dessen...
