Modellcharakter

Christophe Rousset belebt Salieris «Grotta di Trofonio»

Opernwelt - Logo

Es ist eine Schlüsselidee des «Don Giovanni»: Die d-moll-Schläge des steinernen Gas­tes tauchen im Stück erst spät auf, aber sie er­öffnen die Ouvertüre. Kraft und Magie des Übernatürlichen bilden ein akustisches Portal zu allem, was folgt. Mozart ist dafür, schon im 19. Jahrhundert, viel gerühmt worden. Nur: Die Idee stammt von Salieri. Die Ouvertüre zu dessen «Grotta di Trofonio» startet mit derselben düster-dräuenden Feierlichkeit, die dem Magier Trofonio ge­hört. Salieris Stück kam 1785 am alten Burg­theater heraus, vor Mozarts «Da-Ponte-Opern» also.

Es nimmt den «Don Giovanni» auch in der Anlage des Dramma giocoso vorweg, im zweiaktigen Aufbau, im Mix der Semiseria. Was für eine Überraschung! Mozart hätte eigentlich Gebühren zahlen müssen für die vielen Ideen, die er von Salieri übernahm, meint der Dirigent Christophe Rousset, der «La grotta di Trofonio» 2005 in Lausanne einstudierte (siehe OW 5/2005) und auf CD einspielte. Man könne schon verstehen, dass der Ältere über die Raffinesse seines Kollegen, sich fremde musikalische Gedanken zu eigen zu machen, verärgert, vielleicht sogar verbittert war. Mit einem Mord habe das freilich nichts zu tun.
Bei den Zeitgenossen kam «La ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2007
Rubrik: CDs, Seite 52
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Unterm Kreuz

Kein Unbekannter und doch ein Debütant: Jean-Chris­tophe Maillot ist von Hause aus Choreograf. Als solcher hat er schon einmal, in seiner Heimatstadt Tours, an ­einer Inszenierung des vieraktigen «Faust» von Charles Gounod mitgearbeitet: eine Erfahrung, die möglicherweise seine erste Opernregie nachhaltiger beeinflusst, als man auf den ersten Blick erkennen kann....

Mendelssohn Bartholdy:  Der Onkel aus Boston

«Anleitung zum Unglücklichsein», so könnte das Stück heißen. Wie das Buch von Paul Watzlawick. Das ist die Konstellation in Felix Mendelssohn Bartholdys Oper «Der Onkel aus Boston». Der Onkel ist Vormund von Fanny. Er will sie verheiraten, doch sie hat sich unsterblich in Carl verliebt. Was tun? Nur nicht miteinander reden. Es beginnt eine turbulente...

Korngold: Die tote Stadt

Drei wichtige Aufführungen von Korngolds «Toter Stadt» in jüngerer Zeit: Zü­rich 2003, Berlin 2004, Salzburg, ebenfalls 2004. Man kann das als Repertoire-Bestätigung für eine Oper werten, die nach ihrer als sensationell empfundenen Doppeluraufführung (1920) von neuer Sachlichkeit lange in die Ecke gedrückt wurde. Die bis heute kritisierte Holly­wood-Karriere des...