Zwei Schwestern
Zwei Frauen. Wenig scheint sie zu einen, zu grundverschieden sind ihr Charakter, ihre soziale Stellung auf den ersten Blick.
Hier die stolze trojanische Königstochter, Schwester (unter anderem) des Helden Hektor und des Schönlings Paris, welcher Apollon die seltene Gabe der Weissagung schenkte, sie aber, nachdem Kassandra sein erotisches Begehren brüsk abgewiesen hatte, mit dem Fluch versah, niemand würde je ihren Prophezeiungen Glauben schenken; dort die verwöhnt-überspannte, geschwisterlose Grafentochter, der die Tore zur Welt offenstehen, die sich aber in ihrem ohnehin höchst ambivalenten Verlangen nach dem Diener Jean heillos verrennt. Und doch gibt es etwas, das ihnen beiden eingeschrieben ist: das Verrückt-Sein, allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, dass Kassandra nur als verrückt gilt, während Julie tatsächlich eine Traviata ist, eine vom Weg abgekommene.
In Philippe Boesmans‘ Kammeroper von 2005, die ihren Namen trägt, aber auf das vorangestellte «Fräulein» der Vorlage, August Strindbergs sozialkritischem Trauerspiel aus dem Jahr 1888, verzichtet, besteht mit den ersten Worten der Köchin Christine (die bei Strindberg verniedlichend «Christel» heißt), kein Zweifel ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Jürgen Otten
Eine Sprossenwand gibt es, ein paar Turnmatten, Ringe und einen Boxsack. Doch ins Schwitzen gerät nur die stumme Statisterie mit gut definierten Astralkörpern und knappsitzenden Trainingshosen. Die eigentlichen Protagonisten tragen gern helle Sommeranzüge. Pro forma riskiert man ein paar Übungen in der Gymnastikhalle. Das passt zum Stücktitel, der mit «L’Olimpiade»...
Eine Ehe kann weit mehr sein als nur ein Versprechen. Sie kann es sein, wenn sie von Liebe, gegenseitigem Vertrauen, Respekt und dem gemeinsamen Wunsch nach Zweisamkeit erfüllt ist. Eine Ehe kann aber auch ein großes Unglück sein – wenn schon das Grundgefühl nicht stimmt, wenn es an Kompromissbereitschaft mangelt und es für die Beteiligten nur darum geht, die...
Was ist sie doch für ein elegantes Räderwerk, diese Olympia, ein Spielzeug, das selbst spielen will. Mit seinen langen Fangarmen greift es nach dem Künstler und schwingt ihn rund um die eigene Achse. Es beglückt ihn wie die Blumen, die Vögel, die Herzen, die aus den Brüsten und aus tiefer gelegenen Körperregionen schießen im zweiten Akt von «Les contes d’Hoffmann»...
