Stimmenwunder
Eine Sprossenwand gibt es, ein paar Turnmatten, Ringe und einen Boxsack. Doch ins Schwitzen gerät nur die stumme Statisterie mit gut definierten Astralkörpern und knappsitzenden Trainingshosen. Die eigentlichen Protagonisten tragen gern helle Sommeranzüge. Pro forma riskiert man ein paar Übungen in der Gymnastikhalle. Das passt zum Stücktitel, der mit «L’Olimpiade» zwar Wettkampf suggeriert, das internationale Sportfest aber nur als Folie benötigt. Antonio Vivaldi war einer der ersten Komponisten, der Metastasios Libretto vertonte, rund 70 Kollegen folgten.
Die Bühne des Innsbrucker Landestheaters lässt an die Vergangenheit eines 50 Kilometer entfernten Orts denken, an Garmisch-Partenkirchen anno 1936. Architektur, Plakate und andere Zutaten (Bühne: Emanuele Sinisi) beschwören Faschistisches. Doch bleiben die Details nur szenische Würze und werden kaum ausgesponnen. Ambitionierte Regieentwürfe sind hier ohnehin nicht gefragt, es geht schließlich um den großen Abschiedssommer. Nach 14 Jahren sagt der dirigierende Intendant Alessandro De Marchi den Festwochen der Alten Musik «Addio». Sich und das entzückte Publikum beschenkt er dazu mit einem Vivaldi-Schwerpunkt inklusive ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Markus Thiel
Mit der «Frau ohne Schatten» lieferte Strauss seine reichhaltigste Partitur ab. Charakteristisch sind vor allem das hypnotische Klarinetten-Schneiden des Falken und das abfallende Dreiton-Leitmotiv Keikobads – fast schon explizit textgewordenes Menetekel zu einer Handlung voller (Mit-)Leid: Die Tochter des Geisterkönigs wirft keinen Schatten, sprich, sie kann keine...
Was versprechen sie sich nicht alles vom Theater, die Tragischen, die Lyrischen, die Komischen, die Hohlköpfe und die Sonderlinge in Prokofjews «Die Liebe zu den drei Orangen»? Und können sich am Ende doch auf ein Stück einigen, das nichts anderes als die Oper selbst ist. Am Tiroler Landestheater sind sie denn auch alle willkommen: die mit den antiken Masken, die...
Salome, schönste Blume des Morgenlands? Nein, falsches Stück, falsches Genre. «Die alte Hur’ is net umzubringen», soll Robert Stolz über seinen (nach der Prinzessin benannten) «orientalischen Foxtrott» gesagt haben. In der Volksoper Wien aber steht nicht etwa irgendeine Stolz’sche «Salome»-Revue auf dem Programm, sondern Strauss’ seinerzeit skandalös-monströser...
