Zwei Herzen für die Kunst
Je älter er wurde, desto aristokratischer wirkte er mit seiner schlanken Gestalt und dem schmalen, vergeistigten Gesicht. Aber wenn man ihm begegnete, in Spoleto bei seinem «Festival zweier Welten» oder auch nur im kleinen Gießen, wo er auf Einladung seinen «Konsul» und seine «Globolinks» inszenierte, dann schienen die Jahre irgendwie spurlos an ihm vorübergegangen zu sein: dieselbe Neugier, dieselbe Begeisterung für alles Künstlerische und für Menschen, die sich wie er an der Kunst erfreuten.
Als Opernkomponist von rund zwei Dutzend Titeln bewegte sich der 1911 im lombardischen Cadegliano geborene Menotti bewusst in der italienischen Tradition, vornehmlich eines Puccini. Das wurde ihm in früheren Jahren von den Kollegen der Moderne eher übel genommen. Heute darf man das entspannter und gerechter sehen: Die Erzähloper ist nicht tot, die Menschen schätzen es immer noch, auf der Bühne an Schicksalen teilnehmen zu können, wie in Menottis 1950 uraufgeführtem «Konsul»: Politische Gewalt, geheime Staatspolizei, Bürokratie zerstören das Leben einer Frau. Das war damals hochaktuell. Heute etwa nicht? Menottis Komponieren mag zwar eklektizistisch sein, bewahrt aber dabei eine ...
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Über dieser Premiere hingen dunkle Wolken. Intendant Albrecht Puhlmann und der ursprünglich vorgesehene Regisseur David Alden hatten sich bei Probenbeginn so zerstritten, dass Alden das Stück zurückgab. Puhlmann gelang es, Calixto Bieito zu gewinnen, der «Jenufa» noch nie inszeniert hatte, mehr oder weniger die Bühnenbild- und Kostümentwürfe seines Vorgängers...
Manchmal erscheint der Opernbetrieb rätselhaft. Da existiert ein wahrhaft operntheatralisches Werk – heftige Leidenschaften, Hysterie bis zum Wahnsinn, pralle Figuren, eine vehement mitreißende Musik von erstaunlicher Ausdruckspalette – und dann wird dieses Werk höchst selten gespielt. Warum? Vielleicht hat es Prokofjew mit seinem «Feurigen Engel» doch zu toll...
Das gibt es auch nicht alle Tage. Eine junge Regisseurin wirft zwei Tage vor der Premiere hin und reist ab, weil man sie um ein paar kleine szenische Änderungen bittet. So geschehen im Next Liberty, einer Nebenspielstätte der Grazer Oper. Dort versuchten sich vier Nachwuchskomponisten aus den Klassen etwa von Beat Furrer oder Georg Friedrich Haas an Kurzformen...
