Abgrund Mensch
Über dieser Premiere hingen dunkle Wolken. Intendant Albrecht Puhlmann und der ursprünglich vorgesehene Regisseur David Alden hatten sich bei Probenbeginn so zerstritten, dass Alden das Stück zurückgab. Puhlmann gelang es, Calixto Bieito zu gewinnen, der «Jenufa» noch nie inszeniert hatte, mehr oder weniger die Bühnenbild- und Kostümentwürfe seines Vorgängers übernehmen musste und dem für dieses Himmelfahrtskommando ganze drei Probenwochen blieben, um ein in aller Eile gefundenes Konzept durchzuziehen.
Es spricht für Bieitos handwerkliche Professionalität, aber auch für seine künstlerische Motivationsfähigkeit, dass aus der Notlösung ein über weite Strecken überzeugender, ja faszinierender Theaterabend wurde.
Die von Susanne Gschwender überarbeitete Bühne Gideon Daveys verlegte die im bäuerlichen Milieu spielende Handlung in einen mährischen Textilbetrieb, in dem die Rückständigkeit des Postkommunismus und die Segnungen des Turbokapitalismus krass aufeinanderstoßen. Das machte mit der schäbigen Industrieruine, in der die ersten beiden Akte situiert waren, durchaus Sinn. Es führte im dritten Akt mit den in der neuen Textilmanufaktur steril vor ihre Nähmaschinen platzierten ...
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Das sogenannte Regietheater ist in Verruf geraten. Immer häufiger werden seine Verfechter, zumal wenn es um das Kernrepertoire der Oper geht, nicht nur vom Publikum, sondern auch von Kritikern an den Pranger gestellt. Was vor rund vierzig Jahren als Rebellion gegen ein katechetisches Deutungsprimat begann, das unter Regie im Wesentlichen die Schaffung dekorativer...
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Vierzig Jahre sind ins Land gegangen, seit Joan Sutherland und der junge Luciano Pavarotti in Donizettis französischer Komödie auf der Bühne des Royal Opera House Händchen hielten. Bald darauf sollten sie die Welt erobern, nicht zuletzt dank jener ewig frischen Decca-Aufnahme, die uns daran erinnert, warum Pavarotti als «König der hohen Cs» galt.
Sutherland und...
