Zum Traum wird hier die Zeit
Der Klang schleicht sich samtpfotig heran, ist kaum mehr als ein Säuseln im Wind – man muss die Ohren spitzen, will man hören, wie die Pauke in Kundrys Heilands-Erzählung auf dem Wort «gequält» tief unten, beim f, einsetzt und jenen triolisch pochenden Rhythmus initiiert, dem auch Klarinette, Englischhorn und Celli folgen, pianissimo espressivo, in kaum merklich verändertem Melodieverlauf.
Wieder erklingt das Abendmahlmotiv vom Beginn, doch in der as-Moll-Variante, dann aber schon beim Es enharmonisch verändert, um über e-Moll, bei Kundrys Bekenntnis «Ich sah ihn» zu lichtem H-Dur zu gelangen. «Sehr langsam und feierlich» wünschte sich Richard Wagner diese Passage, und genau so dirigiert Philippe Jordan sie, um dann einen Coup de musique zu landen: Nach dem flötenbegleiteten Absturz der Gesangslinie (bei «lachte») hat Wagner eine Fermate notiert. Jordan dehnt sie fast bis zur Ewigkeit. Der Blick, der Kundry gleich danach treffen, sie in tiefste Verzweiflung stürzen wird, hier ist er Musik geworden. Zum Traum wird hier die Zeit.
Claude Debussy bezeichnete «Parsifal» als «eines der schönsten Klangdenkmäler, die zum unvergänglichen Ruhm der Musik errichtet worden sind». Man muss ...
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