Beziehungsreich

Weill: Mahagonny-Songspiel/Die sieben Todsünden
Schönberg: Pierrot Lunaire
Straßburg | Opéra national du Rhin

Einen ausgewiesenen Bezug zur Opernbühne haben die drei Werke in ihrer ursprünglichen Gestalt nicht. Auch lassen sie sich kaum ohne Weiteres thematisch aufeinander beziehen. Dennoch fügen sich Arnold Schönbergs «Pierrot lunaire», Kurt Weills «Mahagonny-Songspiel» und seine «Sieben Todsünden» in dieser außergewöhnlichen Inszenierung zu einem schlüssigen Tableau.

Grund dafür sind zum einen die zugrunde liegenden Texte und die (in zwei Fällen handlungsfreien) Vertonungen, die einst provozierten; andererseits jene varietéartige Gestalt, in der Avantgarde, Dadaismus und Surrealismus einander durchdringen, Abstraktion, Tiefgründigkeit und Ironie ergänzen und brechen. Sucht man darüber hinaus nach musikalisch verbindenden Elementen, so wäre dies wohl die «gesungene» Sprechstimme – zumal beim «Pierrot», aber auch in «Mahagonny» sowie in der Gestalt der Anna in den «Todsünden». Szenisch verknüpft und gedeutet werden die drei Stücke darüber hinaus durch das (aus den Weill’schen «Todsünden» übernommene) choreografische Element, das sich im «Pierrot» überraschend als Bereicherung herausstellt.

Weitere Bezüge eröffnen sich textlich: wenn etwa der «grüne Mond von Alabama» sein Licht auf das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Michael Kube

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kampf gegen den Absturz

Das Theater Hagen gehört zu den am stärksten abwicklungsbedrohten Kulturinstitutionen in den alten Bundesländern. Das ist nichts Neues für das 1911 eröffnete Haus: Seit Jahrzehnten sieht es sich Fusionsversuchen und finanziellen Kürzungen ausgesetzt. Schon der bis 2017 amtierende Intendant Norbert Hilchenbach hatte angesichts der klammen Kassen der Kommune...

Ausweglos

Der Vorhang fließt zur Seite, und was hören wir? Musik jedenfalls nicht. Nur ein hässliches, elektronisch verstärktes Schaben, verursacht von einem Greis, der im schwarzen Lederanzug an gedeckter Miniaturtafel sitzt und mit höchster Mühe seinen Stuhl zurechtrückt. Verwundern darf diese Quälerei nicht, schließlich ist Hieronymus Makropulos biblische 375 Jahre alt....

Dirigententriumph

Schon die ersten Takte vibrieren vor Energie. Das Pianissimo ist derart mit Spannung aufgeladen, dass es fast zu platzen scheint. Wer die frühen Verdi-Opern so dirigiert, erhebt sie in den Rang von Meisterwerken. Was Will Humburg mit dem Beethoven Orchester allein an psychologischer Feinzeichnung leistet, überwältigt. Die erste Szene des zweiten Akts von «I due...