Zum Tod des Musikwissenschaftlers und Dirigenten Peter Gülke

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Animosität gegenüber Intellektuellen gehört unter Musikern zum guten Ton. «Musiker lesen wenig; und doch kenne ich keine Kunstart, in der Lektüre und Reflexion dringlicher vonnöten wäre», meinte schon Rousseau. Die seltene Ausnahme des denkenden Musikers verkörperte Peter Gülke, und doch zogen Interpreten wie Wissenschaftler respektvoll vor ihm den Hut. Weil der 1934 in Weimar Geborene sich schon im Studium zwischen Theorie und Praxis nicht entscheiden wollte, verfuhr er ein Leben lang zweigleisig. Er wurde Dirigent und blieb doch Musikgelehrter.

Ich erinnere mich, wie ein namhafter Universitätsprofessor einmal neidvoll bewundernd über sein Schubert-Buch sagte: Die Stücke lesen, das können wir auch; aber sie aufführen, das hat er uns voraus. Fast vierzig Jahre wirkte Gülke als Kapellmeister am Theater, zuletzt 1986 bis 1996 in Wuppertal. Die große Karriere blieb ihm versagt. Dafür sorgten bis zu seiner Republikflucht 1983 nach einem «Fidelio»-Gastspiel in Hamburg die Parteibonzen der DDR, gewiss aber auch sein Naturell, das ihn weder zum Pultstar prädestinierte, dem das Publikum zu Füßen liegt, noch zum kalten Macher, der sich mit dem bloßen Funktionieren begnügt. Er erkläre zu ...

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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Uwe Schweikert

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