Mehr als ein Laufsteg für Megären
Bella furia: Das erinnert an «Fare la bella figura», den italienischen Code zum Wahren des schönen Scheins. Und es könnte sein, dass Shira Patchornik beim Titel ihres Debütalbums mit Trouvaillen der Mozart-Zeit bewusst auf die Ähnlichkeit der Begriffe abhob – entweder um den «Furien» die Bühne zu bereiten oder den akustischen Laufsteg für eine Modenschau vermeintlicher Megären.
Die lyrische Koloratur-Sopranistin selbst sieht auf dem Cover des Albums eher aus wie Disneys Schneewittchen: mädchenhaftdunkle Haare, Elfenbein-Teint.
Die von ihr durchaus glaubhaft vorgestellten Rasenden vertreten eine Upstairs-Downstairs-Dramaturgie: Zum Teil gehören sie dem (Hoch-)Adel an, zum anderen Teil dem Dienerinnen-Stand (wobei die besseren Argumente und die wahre Power bei Letzteren liegen). Doch prinzipiell geht es der Sängerin und ihren instrumentalen Begleitern, den CHAARTS Chamber Artists, keineswegs um die Furie als «Zerrbild weiblichen Zorns», sondern um die «künstlerisch geformte Energie, die Gerechtigkeit, Würde und Selbstbehauptung einfordert». Ihre «Wut» vermischt sich mit Ironie, Verletzlichkeit, Stolz und Liebe und «entfaltet sich in Arien, deren Affekte und Koloraturen die seelische ...
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Medien, Seite 39
von Gerhard Persché
Bei der Premiere saß die Claque gut hörbar links im Parkett. Dabei wäre sie gar nicht nötig gewesen, denn in Bern ereignete sich ein kleines Theaterwunder. Auf dem Spielplan stand Verdis «La forza del destino», keine triviale Aufgabe. Am Werk war ein Kreativ-Team um Regisseurin Julia Lwowski. Wer die aus dem Kollektiv «Hauen und Stechen» – was ja gut zu einer...
Auf dem Stallerhof nachts um halb eins. Zwei Menschen treffen einander, im gegenseitigen Begehren. Nur sollten sie das, was sie tun, lieber nicht tun; der liebe Gott hat die Unkeuschheit behördlich untersagt und im sechsten seiner zehn Gebote unter strenge Strafe gestellt. Doch was tun, wenn das Verlangen größer ist als die Vernunft? Also geschieht seinesgleichen,...
Wovon John Dowland an Tagen wie in Nächten geträumt hat? Es entzieht sich unserer Kenntnis. Aber nur zu einem Teil. In jenen Texten, die seinen zauberischen Musikstücken zugrunde liegen, offenbarte der große englische Renaissance-Komponist eine tiefe Liebe zu den dunklen, verborgenen Dingen dieser Welt. Es genügt, um das zu beglaubigen, ein flüchtiger Blick auf...
