Mehr als ein Laufsteg für Megären
Bella furia: Das erinnert an «Fare la bella figura», den italienischen Code zum Wahren des schönen Scheins. Und es könnte sein, dass Shira Patchornik beim Titel ihres Debütalbums mit Trouvaillen der Mozart-Zeit bewusst auf die Ähnlichkeit der Begriffe abhob – entweder um den «Furien» die Bühne zu bereiten oder den akustischen Laufsteg für eine Modenschau vermeintlicher Megären.
Die lyrische Koloratur-Sopranistin selbst sieht auf dem Cover des Albums eher aus wie Disneys Schneewittchen: mädchenhaftdunkle Haare, Elfenbein-Teint.
Die von ihr durchaus glaubhaft vorgestellten Rasenden vertreten eine Upstairs-Downstairs-Dramaturgie: Zum Teil gehören sie dem (Hoch-)Adel an, zum anderen Teil dem Dienerinnen-Stand (wobei die besseren Argumente und die wahre Power bei Letzteren liegen). Doch prinzipiell geht es der Sängerin und ihren instrumentalen Begleitern, den CHAARTS Chamber Artists, keineswegs um die Furie als «Zerrbild weiblichen Zorns», sondern um die «künstlerisch geformte Energie, die Gerechtigkeit, Würde und Selbstbehauptung einfordert». Ihre «Wut» vermischt sich mit Ironie, Verletzlichkeit, Stolz und Liebe und «entfaltet sich in Arien, deren Affekte und Koloraturen die seelische ...
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Medien, Seite 39
von Gerhard Persché
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