Arbeit am Mythos

Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka beschließen in Saarbrücken mit der «Götterdämmerung» ihre «Ring»-Studien, Tiago Rodrigues geht in Wiesbaden mit «Tristan und Isolde» ins Archiv

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Nicht jedem Ende wohnt ein Zauber inne. Diesem schon. Eine Frau besteigt einen Fahrstuhl und entgleitet aus unserem Sichtfeld nach oben, ins Ungewisse, Ungefähre, vielleicht Unbewusste, das alles zuvor Gewusste gleichsam hegelianisch «aufhebt», sprich: zugleich auslöscht und bewahrt. Zuvor hat sie ein umfassendes Fazit gezogen und sich dabei ihrer mémoire volontaire bedient.

Noch einmal überdenkt und erträumt Brünnhilde, während sie den wild wuchernden Tonartengarten durchstreift (von fis-Moll über Es-Dur, C-Dur und As-Dur bis zum strahlenden A-Dur beim letzten Wort «Weib!») und nebenher Hagens martialisch gekleidete Mannen umstößt wie lästige Schachfiguren, ihr Leben. Und dann stellt Wotans Tochter in ihrem Schlussgesang diese eine wesentliche Frage, die niemand beantworten kann: «Wisst ihr, wie das ward?»

Zumindest das kann man nach der «Götterdämmerung» am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken sagen: Intellektuell herausfordernd war sie, die Arbeit des Regieduos Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka. Eine verrückt-verspielte, wissenschaftlich-philosophische Denkübung, die zwar die Frage ausklammert, ob Gott oder doch Nietzsche tot ist, aber absichtsvoll jenes «Kunstwerk ...

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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten

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