Arbeit am Mythos
Nicht jedem Ende wohnt ein Zauber inne. Diesem schon. Eine Frau besteigt einen Fahrstuhl und entgleitet aus unserem Sichtfeld nach oben, ins Ungewisse, Ungefähre, vielleicht Unbewusste, das alles zuvor Gewusste gleichsam hegelianisch «aufhebt», sprich: zugleich auslöscht und bewahrt. Zuvor hat sie ein umfassendes Fazit gezogen und sich dabei ihrer mémoire volontaire bedient.
Noch einmal überdenkt und erträumt Brünnhilde, während sie den wild wuchernden Tonartengarten durchstreift (von fis-Moll über Es-Dur, C-Dur und As-Dur bis zum strahlenden A-Dur beim letzten Wort «Weib!») und nebenher Hagens martialisch gekleidete Mannen umstößt wie lästige Schachfiguren, ihr Leben. Und dann stellt Wotans Tochter in ihrem Schlussgesang diese eine wesentliche Frage, die niemand beantworten kann: «Wisst ihr, wie das ward?»
Zumindest das kann man nach der «Götterdämmerung» am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken sagen: Intellektuell herausfordernd war sie, die Arbeit des Regieduos Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka. Eine verrückt-verspielte, wissenschaftlich-philosophische Denkübung, die zwar die Frage ausklammert, ob Gott oder doch Nietzsche tot ist, aber absichtsvoll jenes «Kunstwerk ...
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
Sein Name dürfte wohl nur Eingeweihten etwas sagen. Ennio Porrino spielte in der italienischen Musikszene zeitlebens keine besonders hervorgehobene Rolle. Über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus erlangte nur das 1934 in Rom uraufgeführte, seiner sardischen Heimat zugeeignete symphonische Poem «Sardegna» eine gewisse Bedeutung; so nahm sich unter anderem der...
JUBILARE
Marisa Galvany, die am 19. Juni 90 Jahre alt wird, kam 1936 in Paterson im US-Bundesstaat New Jersey als Tochter osteuropäischer Einwanderer zur Welt und debütierte 1968 an der Seattle Opera als Tosca. Auch ihr internationales Debüt gab sie in einer Titelrolle: als Aida 1972 am Palacio de Bellas Artes in Mexico City. Von 1972 bis 1983 war sie regelmäßig in...
Als Herzog Bernhard, im Bruderkrieg 1866 törichterweise mit Habsburg verbündet, nach der Niederlage partout nicht weichen wollte, zog ein preußischer Spielmannszug vor das Meininger Schloss und intonierte «Sonst spielt’ ich mit Szepter, mit Krone und Stern»; der Landesvater kannte seinen Lortzing – und trat zurück. Auch Bernhards monumentaler Gegenspieler Bismarck...
