Komm, süßer Tod
Wovon John Dowland an Tagen wie in Nächten geträumt hat? Es entzieht sich unserer Kenntnis. Aber nur zu einem Teil. In jenen Texten, die seinen zauberischen Musikstücken zugrunde liegen, offenbarte der große englische Renaissance-Komponist eine tiefe Liebe zu den dunklen, verborgenen Dingen dieser Welt. Es genügt, um das zu beglaubigen, ein flüchtiger Blick auf seinen Zyklus «In darkness» und dortselbst auf den dritten Song: «Come, ye heavy states of night! / Do my father’s spirit right. / Soundings baleful let me borrow / Burthening my song with sorrow.
» Irgendwo im Schattenreich zwischen Traum und Dämmerung schleicht Dowlands Alter Ego umher, und nicht nur einmal äußert er dabei den Wunsch, der Schlaf möge zu ihm kommen. Es ist augenscheinlich ein Wunsch, der tief in ihm wohnt. Denn in einem anderen Song sehnt er, viele Jahre vor Bach, dann sogar des Schlafes Bruder herbei: «Come, sweet death!». Komm, süßer Tod!
In ihrem Album «Mr Dowland’s Dream» unternehmen die Sopranistin Clara Brunet und der Lautenist Bor Zuljan eine Reise durch die in vielen Tönen schimmernden Traumwelten des Komponisten, und sie stützen sich dabei auf (im Booklet abgedruckte) Texte verschiedener Autoren, ...
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Medien, Seite 36
von Olga Myschkina
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