Zu Unrecht vergessen
Rossini hat ihn, unwillentlich, sein ganzes Leben lang verfolgt und schließlich aus dem Gedächtnis der Nachwelt verdrängt. Heute ist Carlo Coccia (1782-1873) allenfalls noch eine Fußnote der Operngeschichte. Dabei war der aus Neapel stammende Schüler Giovanni Paisiellos eine Zeit lang außerordentlich erfolgreich. Seine 1815 in Venedig uraufgeführte «Clotilde» hielt sich drei Jahrzehnte auf den Spielplänen und wurde sowohl an der Mailänder Scala wie an der Pariser Opéra nachgespielt.
Doch das schon zu dieser Zeit ausbrechende Rossini-Fieber veranlasste Coccia, seine Zelte anderswo aufzuschlagen, und so kam er über Lissabon ans Londoner Haymarket Theatre, wo er dann die Ehre hatte, Rossini-Opern zu dirigieren. Später ließ er sich in Novara nieder und widmete sich überwiegend der Komposition geistlicher Musik. Nach dem Tod des Rivalen durfte er dann für das von Verdi und Boito initiierte «Requiem für Rossini» das «Lagrimosa» schreiben.
Dass Coccia wohl zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist, lässt die jetzt in Novara neu belebte Semiseria «Clotilde» ahnen, ein kleines Meisterwerk. Das Libretto Gaetano Rossis variiert alte Märchenmotive, wobei es auffällige Parallelen zum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Schon Monate vor ihrem Erscheinen hat diese Aufnahme die Klassikwelt zum Erzittern gebracht: Zur letzten Opernproduktion alten Stils, die sich seine Firma noch leisten könne, rief der inzwischen verabschiedete Artist & Repertoire-Direktor der EMI, Peter Alward, den neuen «Tristan» seines Hauses aus. Mit der über zehn Jahre geplanten und 750 000 Euro teuren...
Vor gut drei Jahren machte Daniel Barenboim dem liquiden Teil seiner globalen Fan-Gemeinde eine kühne Offerte: Binnen vier Wochen dirigierte er an der Berliner Staatsoper zweimal alle zehn autorisierten Wagner-Opern. Vom «Holländer» zu «Parsifal» in Marathonmanier. Der sportive Ehrgeiz des Maestros erwies sich damals als Marketing-Coup: Um die immense Nachfrage...
Nach diesen Juli-Tagen in London wird nichts mehr so sein, wie es war. Eine extreme erste Woche, wie diese Stadt sie in Friedenszeiten wohl noch nie erlebte, prall gefüllt von Leidenschaft, Euphorie und Trauer. Zunächst am ersten Wochenende des Monats das von Bob Geldof organisierte Open-Air-Konzert im Hyde Park, dessen Titel-Wortspiel «Live-8» die angestrebte...
